UKW053 Corona Weekly: Der Impfstoff ist ‘ne App

Das Update zu Zahlen, Dunkelziffern und digitalen Fragen in der Corona-Krise

Zum Jahresbeginn liefern wir Euch gleich ein sehr umfangreiches Update rund um die Corona-Krise. Nach dem traditionellen Zahlen-Update für Deutschland gehen wir auf die Diskussion rund um den "UK-Virus" ein, reden über neue Erkenntnisse zur Infektiösität von Kindern, das Verbot von Versand-Corona-PCR-Testkits, den schwierigen Start der Impfkampagne in Deutschland, Argumente gegen das Impfen, neue Informationen zur Dauer der Immunisierung durch eine Infektion bzw. Impfung, Feedback zur Diskussion rund um Vitamin D und COVID-19 und stellen ein paar interessante Artikel und Podcasts vor, die die Funktionsweise des Impfstoffs anschaulich erläutern, die entscheidenden Personen der Impfstoffentwicklung vorstellen und einen Blick in die Zukunft der Impfstoffentwicklung liefern.

On Air
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Shownotes:
R nach Neuinfektionen und Todesfällen in Deutschland am 1. Januar 2021 (Pavel Mayer)

44 Gedanken zu „UKW053 Corona Weekly: Der Impfstoff ist ‘ne App

  1. Vektorimpfstoffe sind keine klassischen Impfstoffe. Da gibt es etwas für Ebola- und für Dengue, aber das ist doch auch erst neu.
    Alle derzeitigen Impfungen sind entweder Tot- oder gar Lebendimpfstoffe. Sowas hat Sinovac aus China im Angebot, alle anderen Kandidaten sind eben was neues.

    Und wenn ich das so lese, daß die Vermutung, daß 2x die gleiche Doses bei dem AstraZeneca-Impfstoff dann ein schlechteres Ergebnis hat, weil sich vermutlich schon auf eine Immunität des Adeno-Virus ausgebildet hat, und man entweder anders dosiert, oder andere Adeno-Viren (der Sputnik 5 macht das) nutzt, ist das doch nur ein Argument, davon einfach Abstand zu nehmen.
    Ich glaube, auf Jahrzehnt gesehen wird das alles verschwinden, auch die jetzigen Totimpfstoffe, die aufwendig in Eiern gezüchtet werden müssen, und man nicht mal eben 2 Monate vor der Influenzasaison die Bestellung verdoppeln kann.
    Will man alles nicht, braucht man vielleicht auch bald nicht mehr.
    Ich sehe das zumind. als sehr sehr positiv.
    Auch die Aussage, daß das jetzt nur 2 Tage gedauert hat, läßt wirklich hoffen, das jetzt einmal für alles zu probieren, inklusive dem ganzen “Tropenmist”, den es da gibt. 😉

    Guckt mal in euer Impfbuch – was ich als Kind noch einzeln bekommen habe, gibt es doch jetzt schon lange als Kombinationsimpfstoffe für die jetzigen Neugeborenen, das wurde doch auch immer mehr. Und wenn man es eben nicht mehr kompliziert züchten muß, gibt es vielleicht irgendwann auch mal einen Mega-Cocktail mit gleich 100 RNA-Ketten und man ist vom 1. Tag an dann gleich gegen fast alles was herumkreucht geimpft worden…

    • Vielleicht täusche ich mich, aber: Novavax (NVX-CoV2373), Medicago (CoVLP), EpiVacCorona und selbst der jetzt zurückgestellte Sanofi-Impfstoff sind doch auch Totimpfstoffe, dachte ich?

  2. Hallo
    ich finde den Artikel mit den Argumenten/Gegenargumenten zum Impfen nicht in den Shownotes. Habe ich was übersehen?
    Merci
    J.

  3. Bei den Testkits zur Selbstanwendung habt ihr einen Punkt übersehen bzw. nur kurz angerissen: das Verschweigen von Infektionen. Es gibt insbesondere im Niedriglohnbereich immer noch den Fall, dass Menschen bei Krankheit gekündigt werden. Überall dort, wo mit entsprechenden Methoden Druck auf die Leute ausgeübt wird, kann ein (absichtlich) falsch angewandter Coronatest dazu führen, dass die Leute doch wieder arbeiten gehen. Ich zeige dem Chef meinen negativen Coronatest und sage, es sei nur eine Erkältung.

    Ob der Chef mit dieser Masche vor dem Arbeitsgericht durchkommt oder nicht, ist dabei völlig zweitrangig. Bei uns in der Firma wird so mit den Reinigungskräften umgegangen. Die sind der Sub vom Sub und es sind genug dabei, die nicht mal gebrochen Deutsch sprechen. In so einem Umfeld zieht die Methode und der falsch angewendete Test von Amazon ist eine willkommene Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu behalten.

    Über die Auswirkungen daraus brauchen wir hier vermutlich nicht mehr zu diskutieren. Die Zahlen zeigen es täglich.

    • Das ist so eine typische Argumentation, ja sicher ist das so denkbar – aber deshalb lieber gar nichts haben oder nutzen ist doch noch viel schlimmer?!
      So finde ich auch die Aussagen der Experten, daß Schnelltests nicht genug sicher sind über viele Wochen, und PCR eben Goldstandard sehr sehr tragisch. Wie viele Tote hätten wohl vermieden werden können, wenn schon im September/Oktober statt Dezember in Seniorenheimen jeder Zutritt getestet wird? Ja, man findet nicht alle, und man trägt wahrscheinlich trotzdem 2% rein, das ist vollkommen klar – aber im Gegenzug dann nichts zu machen und freien Zugang zu haben, ist doch um Größenordnungen schlechter? Ich kann das einfach nicht verstehen….
      Da habe ich lieber 98% sofort anstatt 100% 2 Tage später (und damit für Zutrittskontrolle nicht geeignet).

    • Das Argument, dass Infektionen verschwiegen werden könnten, greift doch gerade beim angeführten Testkit nicht, da ein positiver Befund ja weitergeleitet wird. Dies wurde zum einen im Podcast erwähnt (wenn ich mich richtig erinnere) und wird zum anderen in der verlinkten Quelle¹ erwähnt:
      „ … Positive Testergebnisse würden „unverzüglich den zuständigen Gesundheitsämtern gemeldet“. … “

      ¹ https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Corona-Testkit-auf-Amazon-ruft-Wettbewerbszentrale-auf-den-Plan-414094.html

      • Wenn das Labor etwas findet, wird natürlich gemeldet. Dazu sind die Labore nach Infektionsschutzgesetz verpflichtet. Und das nicht erst seit Corona. (für entsprechend benannte Infektionskrankheiten) Meine Argumentation setzt aber schon früher an. Wenn ich den Abstrich nur vorne im Nasenbereich mache, weil ich es nicht besser weiß, weil ich es hinten im Rachen unangenehm finde oder weil ich einen negativen Coronatest brauche, dann findet das Labor auf dem eingesandten Teststäbchen nichts. Zumindest mit einer entsprechenden Wahrscheinlichkeit.

        Unsere Ärzte nehmen im Bereich Gesundheit eine neutrale Gutachterfunktion ein. Wenn der Arzt ein Attest ausstellt und darin “kein SARS-CoV-2 nachgewiesen” steht, dann hat das erst einmal Gewicht. Darauf verlassen sich dann eine Menge Leute. Im Grunde steht hinter jedem negativen Laborbefund (egal ob wg. Corona oder wegen sonst etwas) immer als Langtext: nach handwerklich ordentlicher Probenname und -weiterverarbeitung wurde kein Erreger gefunden/wurde folgender Erreger gefunden. Daraus folgert ein Arzt dann Therapieempfehlungen oder im diskutierten Fall Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und ggfs. Meldung ans Gesundheitsamt.

        Fällt nun der erste Teil der Kette (die handwerklich korrekte Probenname) weg, dann folgt daraus der Wegfall der Aussagekraft des zweiten Teils der Kette (Erreger vorhanden oder nicht).

        Dies untergräbt aber den Gutachterstatus der Ärzte und deren Bescheinigungen, auf die sich eine Menge Leute verlassen (müssen). Sowohl bei positivem als auch bei negativem Befund. Warum?

        Ich kann mich noch gut ans Studium erinnern (Medizintechnik), wo wir mit genug Ärzten zu tun hatten, die Laborbefunde nicht richtig lesen konnten, weil sie z.B. Einheiten nicht richtig ins Verhältnis setzen konnten oder die Uhrzeit der Probenbearbeitung mit der Uhrzeit der Probenname beim Patienten verwechselt haben. Dann kann ich nicht davon ausgehen, dass außerhalb des Gesundheitswesens, zum Beispiel ein Arbeitgeber oder jemand am Flughafen, den Unterschied auf dem Laborbefund zwischen korrekter Probenname durch einen Arzt oder anderweitig geschultes Personal und eine nicht beobachtete Probenname durch den Patienten selbst auseinanderhalten kann (falls das überhaupt aufgeführt ist).

        Ich hoffe, damit meine Argumentation zu den absichtlich negativen Tests verdeutlicht zu haben.

  4. Frohes neues Jahr, ich höre euren Podcast sehr gerne..auch deine anderen, Logbuch und Freakshow und diesen Wissenschaftspodcast…so bleibe ich hier am A..der Welt immer aufm Laufenden..
    Ich empfehle Ruch immer gerne weiter. Bleibt bloß si wie ihr seid..
    Grüße aus Norden (Ostfriesland)
    Michaela.

    • Nur warum? Im Podcast werde ja verschiedene Zenarien wo geimpft sein Pflicht sein könnte, aber ich halte die nicht für Schlüssig.

      Also warum sollte man eine Impfung zur Pflicht machen?

      Staaten bei der Einreise: Ja, wenn sie selbst noch ein niedriges Impfniveau haben. Aber sobald man alle durchgeimpft hat die sich Impfen lassen wollen ist es doch egal ob Leute mit Covid einreisen.

      Private Unternehmen bei Besuchern von Läden, Veranstaltungen, Transportmöglichkeiten, Restaurants… Warum sollten die Kunden ausschließen? Vor allem setzen einige jetzt schon die Maskenpflicht nicht durch. Warum sollten sie auf eine Impfung achten?

      Mitarbeiter von Firmen: Wird rechtlich extrem Problematisch. Dazu, einziger Effekt es entfallen mögliche lange bis entgültige Krankschreibungen. Also viel Ärger um nichts.

      Mitarbeiter in Altenpflegeeinrichtungen, Schulen…: Kann man rechtlich vermutlich leichter zwingen. Aber wenn alle Bewohner/Schüler… geimpft sind stört ein Pfeger mit Covid ja nicht.

      Was natürlich sichergestellt werden muß ist das alle die geimpft werden wollen geimpft wurden. Dafür ist dann wichtig zu wissen wie lange der Impfstoff wirksam sein wird.

      Das andere Thema ist wie groß Gruppen sein werden die man aus Medizinischen gründen nicht Impfen kann.
      Das sind meines wissens derzeit: -Schwangere, macht man nur mangels Studien und wegen zusätzlicher Vorsicht nicht, löst sich sobald man alle Impfwilligen Frauen geimpft hat bevor sie schwanger werden..
      -Kinder/Jugendliche. Da ist man meines Wissens auch nur bei den Studien vorsichtig gewesen und hat sie bei den Studien nicht berücksichtige. Ich würde davon ausgehen das man da mittlerweile mit Studien begonnen hat oder es sehr bald machen wird.
      -Personen mit starken allergischen Reaktionen. Die Frage ist wie groß die Gruppe wirklich ist. Lösung ist da möglicherweise einfach ein auf anderer Basis funktionierender Impfstoff (z.B. der von AtraZeneka)

      Wenn die Gruppen der nicht impfbaren klein genug ist dann sind auch Impfgegner kein Problem. Solange sie keine andere anstecken ist es eben ein rein persönliches Risiko.

  5. … also “Der Weiße Hai” aktuell schauen ist echt eine Parabel (mit Tieren) zur aktuellen #CoronaPandemie Sheriff gegen Bürgermeister, Strände auf/zu, Badeverbot, usw… #COVID19 #SARS_CoV_2 #b117 #Lockdown3 #LockdownJetzt

  6. Ist denn schon klar, dass die Impfung gegen Weiterverbreitung des Virus schützt?

    Die Studien erweisen ja erstmal nur, dass schwere Krankheitsverläufe größtenteils verhindert werden.
    Teilweise wurde auch gezeigt, dass man selbst schlechter infiziert werden kann.

    Aber die ganze Diskussion um Impfpflicht oder beschränkter Zugang ohne Impfung fußt ja auf der festen Annahme, dass der geimpfte das Virus nicht selbst verbreitet.
    Meines Wissens ist das gar nicht klar.

    • Meines Wissens nach ist noch nicht geklärt, inwiefern man nach der Impfung trotz eigener Immunität das Virus noch weiterverbreiten kann (mal von der an sich offensichtlichen Möglichkeit der evtl. Weiterverbreitung durch Schmierinfektion – durch zum Beispiel mangelhafte Handhygiene – abgesehen).
      Auf den Seiten des Landes Baden-Württemberg steht dazu zum Beispiel fogendes:
      „ … Bin ich nach einer Impfung auch davor geschützt, andere anzustecken? … Trotz Immunität können Sie das Virus möglicherweise noch übertragen – die Regelungen gelten vorerst also weiterhin, zum Schutz aller. … “.¹

      ¹ https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/fragen-und-antworten-rund-um-corona/faq-impfzentren/

    • “Klar” ist hier noch nichts, aber zumindest die Phase III Studie von Moderna hat auch eine niedrigere Reinfektionsrate nachgewiesen. Dort wurden jeweils vor der Gabe der 1. und 2. Dosis jeweils ein Antikörpertest gemacht. Weiß jetzt gerade die Zahlen nicht aus dem Kopf, aber wir hatten das im Podcast schon besprochen und wenn ich mich erinnere lag das so im 2/3-Bereich.

      Mit anderen Worten: es ist sehr wahrscheinlich, dass zumindest durch die mRNA-Impfstoffe eine Infektion deutlich reduziert wird. Genauere Zahlen werden wir wohl bald erhalten, da das mit Sicherheit nach Gabe der Impfungen bei den Leuten irgendwie getrackt wird.

  7. Hui hui hui, der Start mit den Zahlen war aber holprig.

    Die Anzahl der Tests ist um ein Drittel (!) zurückgegangen, die Anzahl der (erkannten) Infektionen ebenfalls. Das passt also erstmal.

    Wegen der höheren Positivrate, und weil wohl nur besonders starke Verdachtsfälle getestet werden, ist davon auszugehen, dass sich diese Effekte nicht ganz aufheben. Trotzdem glaube ich hier zumindest eine Stabilisierung der Infektionszahlen zu erkennen.
    Selbst wenn wir nochmal 50% unerkannte Fälle addieren, scheint es doch hier einen Trend in die richtige Richtung zu geben. (Ist jetzt alles sehr grob über den Daumen gerechnet.) Die Anzahl der Toten geht ebenfalls zurück, selbst wenn wir hier nochmal 50% addieren. Die Patienten auf Intensivstationen erreichen ein Plateau.
    (Ich seh schon, in einer Woche ernte ich für diesen optimistischen Kommentar viel Hohn.)

    Müsste man diese ganze Inzidenzmessung nicht auch an die Anzahl der durchgeführten Tests und die Positivrate koppeln? Sonst rutschen wir hier demnächst in eine Trump’sche Situation, in der einige besonders schlaue Ministerpräsidenten weniger testen, um ihre Inzidenz zu senken.
    Vorschlag: Ziel sind unter 50 erkannte Neuinfektionen pro 100k Einwohner in den letzten 7 Tagen, bei 2000 Tests pro 100k Einwohner pro Tag, davon max. 5% positiv.
    (Die 2000 Tests pro 100k Einwohner wären leicht über den 1,5 Mio in der Bundesrepublik.)

    Aber klar, auch dann kann man fleißig kinderlose Homeoffice-Menschen testen, um die Quoten zu verbessern.

  8. Ich bin einigermaßen irritiert, dass die Forderungen nach einer schnelleren Impfstoffprodukion just an dem Tag aufkommen, an dem das Impfen beginnt.
    Die verfügbaren Mengen für Deutschland (und die anderen europäischen Länder) sind doch mind. seit Anfang Dezember bekannt?

    Klassische Symbolpolitik. Man springt hier nur auf den Zug auf, weil sich plötzlich genug Menschen darüber Gedanken machen, wann sie dran sind.

  9. Ihr solltet euch mal für die nächste Folge genauer anschauen, was die Briten gerade mit dem AstraZeneca und dem Pfizer/Biontech Impfstoff veranstalten. Die sagen gerade alle bereits vereinbarten Termine zur zweiten Impfung ab und wollen erstmal nur jeden einmal impfen. Die zweite Impfung gibts dann erst in 3 Monaten. Gerade Pfizer/Biontech ist da sehr unglücklich drüber, weil das ihre Studien gar nicht hergeben, die haben ja schon nach 3 Wochen nachgeimpft. Meiner Meinung nach schmeißen die Briten gerade die Wissenschaft komplett aus dem Fenster vor lauter Panik. Da kann man sich dann auch schon mal auf ähnliche Forderungen hierzulande einstellen..

    https://www.bbc.co.uk/news/uk-55503739

    https://www.gov.uk/government/publications/letter-to-the-profession-from-the-uk-chief-medical-officers-on-the-uk-covid-19-vaccination-programmes/letter-to-the-profession-from-the-uk-chief-medical-officers-regarding-the-uk-covid-19-vaccination-programmes

    https://blogs.sciencemag.org/pipeline/archives/2020/12/30/vaccine-roundup-late-december

  10. Hallo Tim und Pavel, vielen Dank für eure tolle Begleitung der Pandemie! Ich denke allerdings ihr habt ein unzutreffendes Bild davon wie das Geschehen im Frühjahr und Sommer weitergehen wird, ich zitiere mal Drosten vom 08.12.:

    “Wir werden zu irgendeinem Zeitpunkt im Sommer eine Situation haben, in der man vielleicht konstatieren kann, diejenigen, die ein sehr hohes Risiko haben und die sich impfen lassen wollten, die sind jetzt geimpft. In dem Moment werden wir gesellschaftlich nicht mehr vermitteln können, dass wir die nicht-pharmazeutische Intervention aufrechterhalten. […] Die Bevölkerung besteht nicht nur aus Risikopatienten, sondern die besteht auch aus der Wirtschaft und alle müssen zu ihrem Recht kommen. Da wird man auch Veranstaltungen nicht mehr blockieren oder in der Teilnehmerzahl reduzieren können. Natürlich wird auch die anstehende Bundestagswahl in alle diese Spannungsverhältnisse reinspielen. Wir werden zu einem Zeitpunkt in eine Situation kommen, in dem die Infektionen in der Bevölkerung in großem Maße laufen.”

    Wenn das erste Drittel der Bevölkerung geimpft ist wird das Virus durchlaufen, wie schnell die restlichen zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden können wird für das gesellschaftliche Leben wenig relevant sein und dementsprechend geringen Nachrichtenwert haben, die Herdenimmunität wird mindestens zur Hälfte durch überstandene Infektionen erreicht werden.

    • Dagegen spricht die Erkenntnis aus dem letzten Sommer, dass allein das Sommerwetter und das Verlagern vieler Aktivitäten ins Freie die Infektionsaktivität schon massiv drückt, völlig unabhängig von irgendwelchen nicht-pharmazeutischen Infektionen – denn viel draußen zu machen im Sommer, dazu musst du niemanden per Gesetz zwingen, das tun die Leute schon von alleine.

      Ich gehe daher persönlich davon aus, dass wir im nächsten Sommer durch diesen Effekt plus bleibende Verhaltensänderungen (etwas mehr Respekt vor Menschenansammlungen z.B., den viele Leute inzwischen intuitiv haben) plus die Impfung des von dir angesprochenen Drittels der Bevölkerung eine derartige Reduktion der Verbreitung haben werden, dass effektiv so etwas wie Herdenimmunität herrscht. Allerdings nur temporär, es wird also zentral sein, den Sommer und Anfang des Herbstes (dank Klimawandel ja immer noch sehr warm und geeignet für Aktivitäten im Freien) dann zu nutzen, um ein weiteres Drittel durchzuimpfen, damit im Winter, wenn das Virus wieder Vollgas geben könnte, tatsächliche Herdenimmunität ein neuerliches Aufflammen verhindert, auch ohne schwere Maßnahmen. Vielleicht werden dann noch gewisse Großveranstaltungen in engen Räumen untersagt, weil es auch bei Herdenimmunität mit etwas Pech (viele nicht-immune auf einem Fleck) noch zu Superspreader-Events kommen kann, aber darüber hinaus sollten keine Einschränkungen mehr erforderlich sein, sofern eben der ruhige Sommer effektiv genutzt wurde.

  11. Zur Maskenpflicht an Schulen: Wenn ich richtig informiert bin, gibt es einige Länder, wo die Maskenpflicht in Schulen immer noch nicht grundsätzlich gilt, richtig?

    Ich weiß zwar nicht genau, wie stark sich die Länder hier derzeit unterscheiden, aber zumindest im polizeistaatfreundlichem Bayern herrscht nach BayMBl. 2020/616, § 18 (2) 1 “auf dem ganzen Schulgelände Maskenpflicht”. Und zwar für alle. Nach (2) werden SchülerInnen, die dem nicht nachkommen, dem Schulgelände verwiesen. Für die Grundschüler gibt es keine Ausnahmen, auch diese müssen hier seit dem neuen Schuljahr eine Maske tragen (davor waren die im alten Schuljahr noch ausgenommen). Die Maske darf logischerweise zum Essen abgenommen werden. In der Pause und im Freien darf sie nur abgenommen werden, wenn die Mindestabstände eingehalten werden. Für Lehrer gibt es eine Ausnahme beim Erreichen des Arbeitsplatzes, sofern sie dort vollständig allein sind. Praktischer Sportunterricht findet nicht statt. Natürlich gibt es die üblichen Streitereien mit Attestpflicht, aber meiner Wahrnehmung nach funktioniert das prinzipiell recht gut – wenn man mal von Esoterikern in Waldorfschulen absieht.

    (Wenn ich richtig informiert bin hat z.B. das coronagebeutelte Sachsen die Schüler im neuen Schuljahr erst ab Jahrgangsstufe 5 verpflichtet eine Maske zu tragen – und das sogar nur außerhalb des Klassenzimmers? Für Berufsschüler ab Klasse 11 gab es wohl erst Ende Oktober(!) eine Verschärfung?)

    Was ich nicht ganz verstehe ist: Wenn die föderalen Regelungen schon so unterschiedlich sind müsste man doch auch unterschiedliche Auswirkungen im Infektionsgeschehen beobachten. Da meine Familie zwischen Berlin und München verstreut wohnt, erleben wir die unterschiedlichen Betrachtungsweisen auch hautnah. Meine Berliner Bubble konnte z.B. erst mal nicht glauben, dass man in Bayern einen doch recht gesalzenen Bußgeldkatalog (BayMBl. 2020/768) hat und man deswegen um 21 Uhr wirklich das Haus nicht mehr verlässt, weil man sich die 500 € Strafe bei durchaus schon erlebten Polizeikontrollen dann doch lieber ersparen möchte. Genauso erstaunt ist man, wenn man darauf hinweist, dass das Trinken von Alkohol in der Öffentlichkeit in Bayern immerhin auch 250 € kostet. Auch habe ich schon erlebt, wie jemand hier ohne Maske durch eine Hotspot-Region marschierte im Glauben, im Freien herrsche generell keine Maskenpflicht – und dann die geltende Strafe abdrücken musste, weil er keine mit sich führte, um den Spaziergang fortzusetzen (dzt 250 €, damals waren es glaub ich noch 50€). Umgekehrt waren die Berliner erstaunt darüber, wie schlecht in der bayerischen Gastronomie (vor dem Shutdown) Lüftungsregeln eingehalten wurden.

    Bislang war ich immer der Meinung, dass ich das in meiner Bubble vielleicht nur falsch wahrnehme. Und nicht falsch verstehen: Aufsässige haben wir bekanntermaßen auch in Süddeutschland genug. Aber meine Familie hat jetzt mal an Silvester uns gegenseitig die Feuerwerksquote zwischen Berlin und München live gestreamed und der Unterschied war schon auffallend frappierend. Seitdem denke ich mir, müsste man doch eigentlich so langsam deutlichere Unterschiede zwischen den laxeren Bundesländern und den söderalistischen Diktaturen sehen. Mit Sicherheit muss man die stärkere Perkolation Süddeutschlands mit einpreisen, aber spätestens seit Bundesländer wie Sachsen, Brandenburg und Thüringen hier überholt haben, müssten man eigentlich Unterschiede festmachen können, oder? Bei der Maskenpflicht an Schulen könnte Bayern jedenfalls ein geeigneter Testcase sein, um zu sehen, wie sinnhaft die Maßnahme bislang war.

  12. Ergänzend zu Eurem tollen Podcast möchte ich einen anderen verlinken, insbes. zu 2 Themen, den Darkhorse-Podcast von Heather Heying und Bret Weinstein, der sich an der Sendemarke mit der Frage befasst, wieso in den USA auf Remdesivir zur Behandlung gesetzt wird, während es eine vielversprechendere und viel billigere Arznei gibt, die in weit entlegenen Gebieten erfolgreich eingesetzt wird, beispielsweise vielen Staaten Afrikas.
    Und anschließend, bei 1:17:00 etwa, ist Punkt 2 der Impfstoff von Astra-Zeneca, der bei ihnen deutlich besser wegkommt, als bei Euch. Vielleicht hört Ihr mal rein. Einmal spricht für diesen, dass sich eigentlich aus einem Fehler beim Testen ergab, dass er sehr viel besser wirkt, wenn man nur die halbe Dosis verwendet. Zum anderen habe man mit Impfstoffen dieser Bauart die sehr viel längere Erfahrung und daher eine größere Sicherheit. Sie argumentieren dabei aus ihrer Evolutionsbiologischen Erfahrung und ich fand es sehr plausibel.

    • Kann mich nicht erinnern, den britischen Impfstoff signifikant gedisst zu haben. Das mit dem “Fehler” hat ergeben, dass die Impfung mit der halben Dosis auf 90% Wirksamkeit kommt. Aber die Zahl der Personen, die dieser Methode ausgesetzt waren, war deutlich kleiner, weswegen jetzt noch mal nachgeprüft wird. Diese Ergebnisse sind entweder noch nicht da oder ich habe es nicht mitbekommen.

      Die Sicherheit kann man natürlich auf Basis alter Erfahrungen bewerten oder auf Basis neuer Tests. Bei denen sind die mRNA-Impfstoffe sehr gut weggekommen (keine Probleme) und die Wirksamkeit ist mit 95% noch besser als die Variante von AstraZeneca.

      Aber am Ende habe ich da keine Präferenzen: um so mehr sehr wirksame Impfstoffe verfügbar sind, desto besser.

  13. In euerer Besprechung des Reverse-Engineering wurde erwähnt, dass in der mRNA ein paar Basen/Codes getauscht wurden damit sich die Spikeproteine “richtig” entfalten, verweisen wurde dabei auf eine Arbeit von 2017 zu SARS-CoV-1 und MERS, heisst das dass der aktuelle Impfstoff auch gegen Infektionen mit diesen “alten” Viren hilft?

    • Nein, das bedeutet nur, dass der Trick, mit dem man das Spike Protein von SARS-1 stabilisiert, wenn es unabhängig vom Virus erzeugt wird, auch mit dem Spike Protein von SARS-2 funktioniert. Das Protein ist aber anders und daher wird auch der Impfstoff nicht dagegen funktionieren.

      Das ist aber auch nicht notwendig, denn SARS-1 ist nicht mehr aufgetreten.

  14. Zur Impfung gegen Kinderlähmung und der Krankheit an sich möchte ich nochmal (hatte es schon bei Logbuch Netzpolitik empfohlen) die Folge von This Podcast Will Kill You dazu empfehlen:
    https://thispodcastwillkillyou.com/2018/02/10/episode-7-hit-me-with-your-best-polio-shot/
    Da erzählen die beiden auch, wie es zur Entwicklung der Impfung kam und die Räuberpistole, wie ein amerikanischer Arzt die Schluckimpfung entwickelt und die dann zuerst in der Sowjetunion zum Einsatz kommt.

  15. Hi Tim, hi Pavel,
    erstmal ein Lob: Ich höre eure Sendungen wirklich sehr gerne (auch wenn die Realität immer wieder deprimiert)!
    Ich möchte euch noch eine kurze Insidersicht zum Thema Impfzentren geben: Ich bin derzeit in Stuttgart nebenberuflich als Impfärztin in einem zentralen Impfzentrum (ZIZ) tätig, hatte bisher 2 Impfdienste und selbst schon die erste Impfung erhalten. Vorab: Ich bin nicht an der Organisation beteiligt, meien Eindrücke sind rein subjektiv. Die ZIZ in BW sind darauf ausgelegt, im Vollbetrieb 1500 Impfungen pro Tag zu verabreichen, geöffnet ist von 07:00-22:00, Mo-So (also auch für Berufstätige gut erreichbar). Ich hoffe, die Öffnungszeiten in anderen Bundesländern sind ähnlich! In den ersten 3 Wochen fahren wir auf halber Kapazität mit einem Zielwert von 750 Impfungen/Tag, damit die Impflinge des ersten Schwungs gemeinsam mit den “neuen” Leuten dann nach 3 Wochen die zweite Impfung erhalten können (hoffentlich wird diese Strategie nicht geändert, medizinisch halte ich persönlich das für Wahnsinn!). Bisher werden diese 750 Impfungen täglich jedoch nicht erreicht, wir dümpeln so bei 400-500 herum – allerdings habe ich den Eindruck, dass dies vor allem durch Probleme bei der zentralen Terminvergabe bedingt ist: Impflinge haben mir wiederholt berichtet, dass die Callcenter überlastet sind (bis zu 45 Minuten Warteschleife) und die Mitarbeiter dort teilweise nicht gut eingeschult wurden und daher wenig kompetente Auskünfte geben. Die Online-Terminvergabe ist bislang nur für wenige Bundesländer freigeschaltet, auch hier wurde mir von Problemen berichtet. Ich kann gut verstehen, dass die älteren Herrschaften, die derzeit mit höchster Priorität geimpft werden sollten, da teilweise tatsächlich abgeschreckt werden! Zusätzlich habe ich aus persönlichen Gesprächen in der Nachbarschaft den Eindruck, dass viele Menschen der aktuellen Zielgruppe erwarten, dass sie aktiv von öffentlicher Seite eingeladen werden und sich daher nicht selbst um einen Termin bemühen. In Niedersachsen scheint (Stand 4.1.) es noch überhaupt nicht möglich zu sein, einen Termin zu vereinbaren – die Impfzentren seien auch noch gar nicht eröffnet.
    Zusammenfassend habe ich den Eindruck, dass die bisher viel zu niedrigen Impfzahlen zumindest teilweise durch organisatorische Fehler bedingt sind und nicht vollständig durch zu wenig Impfstoff. Personal ist zumindest bei uns ausreichend vorhanden – ich finde es großartig, wie viele ÄrztInnen und sonstige Freiwillige sich gemeldet haben (der Aufwand lässt sich natürlich nicht durch schon vorhandenes Personal in Krankenhäusern etc. stmmen) und dass das Personal-Check-In wirklich großartig funktioniert hat.
    Bei der Einschulung am 21./22.12. haben wir erfahren, dass zu diesem Zeitpunkt im ZIZ alles bereits organisiert gewesen sei (ärtzliches und nicht-ärztliches Impfteam, Sicherheitsdienst, Apotheke, Facilities etc.) – nur die Software für die Dokumentation und Terminvergabe sei noch nicht verfügbar gewesen, es sei auch noch nicht klar gewesen, ob diese von Bund oder Land gestellt würde. Da frage ich mich auch, wieso – schließlich sind das ja keine hochkomplizierten Spezialanwendungen…
    Die Impfungen selbst laufen sehr gut organisiert und pragmatisch-zügig ab: Mit Ausnahme von Schwangerschaft und einem Alter nachher länger auf die Impfstelle drücken, damit kein Bluterguss entsteht), ob der Patient COVID hatte (-> wird nachhause geschickt, diese Menschen werden im 1. (!) Schwung nicht geimpft, ggf. später), ob in den letzten 14 Tagen eine andere Impfung vorgenommen wurde (-> Impftermin wird wegen erhöhtem Risiko von Wechselwirkungen verschoben) und ob Allergien bestehen (-> Impfung trotzdem möglich, nachher aber längere Nachbeobachtung; ggf. sofortige Versorgung in einem Sanitätsraum bzw. in der 100 m weiter entfernten Notaufnahme möglich). Anschließend wird der Patient an der nächsten Station geimpft (+ Eintragung in Impfpass und Doku-Tool) und soll noch 15 Minuten in einem Überwachungsraum warten. Letztlich dauern die administrativen Prozesse und das Aus- und Anziehen der älteren Herrschaften länger als die Aufklärung und das Impfen. Die Menschen, die derzeit kommen, sind hoch motiviert für die Impfung, frustriert über die Anmeldemodalitäten und sehr zufrieden mit den Abläufen im ZIZ.
    Ab dem 15.1. sollen in BW regionale Impfzentren (RIZ) öffnen, in jedem Landkreis 1 oder mehrere RIZ. Diese sollen im Vollausbau etwa die halbe Kapazität der ZIZ erreichen. Die Pflegeheime werden von mobilen Impfteams in Kooperation mit den Rettungsdiensten angefahren, ebenfalls organisiert über ZIZ und RIZ. Hier gibt es gewisse Verzögerungen, weil viele PflegeheimbewohnerInnen unter rechtlicher Betreuung stehen und daher deren BetreuerInnen vorab telefonisch aufgeklärt werden müssen, um eine rechtskonforme Einwilligung zu geben. Das dauert noch ein wenig, daher werden im 1. Schritt zunächst die selbst einwilligungsfähigen BewohnerInnen sowie das Personal geimpft.
    Persönlicher Eindruck zur Impfung: Ich hatte nur eine geringe Impfreaktion, kenne ich von anderen Impfstoffen deutlich heftiger.
    Und noch zum Thema Impfbuch: Die Corona-Impfung ist selbstverständlich wichtig, andere Impfungen sind es jedoch ebenfalls! Viele der älteren Menschen, die zu uns ins ZIZ kommen, sagen, dass seit Jahrzehnten nicht mehr geimpft worden seien. Daher hier ein kurzer Appell: Prüft eure eigenen Impfbücher und die eurer Eltern und Großeltern, z.B.: Alle 10 Jahre Diphterie und Tetanus auffrischen! Ab 60 Jahren Pneumokokken! Jährliche Influenza-Impfung für alle Risikogruppen, inkl. Schwangere!
    So weit…
    Viele Grüße,
    Eva

  16. Hallo

    Noch was zu den hohen Werten im LK Vogtland Sachsen.

    Auf der Seite des Land Sachsen sind jetzt auch die (Neuzugänge letzten 7 Tage) + (Einwohner) + (7-Tages-Inzidenz) nach Gemeinden aufgeschlüsselt.
    Die höhsten praktischerweise ganz oben.

    ganz unten: https://www.coronavirus.sachsen.de/infektionsfaelle-in-sachsen-4151.html?_cp=%7B%22accordion-content-8665%22%3A%7B%225%22%3Atrue%2C%226%22%3Atrue%2C%228%22%3Atrue%7D%2C%22previousOpen%22%3A%7B%22group%22%3A%22accordion-content-8665%22%2C%22idx%22%3A8%7D%7D

    Für heute 05.01.2021 ist dort im Vogtland z. B. führend die Gemeinde Grünbach mit einer 7-Tages-Inzidenz von fast 2800

    (Neuzugänge letzten 7 Tage) + (Einwohner) + (7-Tages-Inzidenz)
    46 + 1.643 + 2.799,8

    Wie sich an diesem Beispiel zeigt kann in kleinen Gemeinden die Inzidenz sehr starken Schwankungen unterliegen da es so kleine Einheiten sind.

    Da muß nur mal ein Seniorenheim oder eine Schule betroffen sein.

    • Prima Link, dankeschön. Bin ja froh, daß youtube-dl wieder weiter gepflegt wird, das Video kommt ins’s Archiv.

      Der hier ist auch nicht schlecht:
      ‘”Wir sind in Deutschland, was die molekulare Überwachung des Coronavirus angeht, wirklich miserabel”, sagt der Leiter der Virologie der Universität Freiburg, Hartmut Hengel: “Wir sequenzieren ohne repräsentative Probenerfassung auf dem Niveau eines Entwicklungslandes.”‘
      https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/sequenzierung-corona-spahn-101.html

      Entwicklungsland! Schön daß das mal an so viel gesehener Stelle benannt wird.

  17. Hallo,

    Vielen Dank für den informativen Podcast, den ich immer gerne höre.
    Dabei bin ich jedesmal verwundert über die Schilderung der Zustände in Berlin und möchte daher meinen Eindruck aus Bayern wiedergeben. Ich wohne in Ostbayern (auf dem Land) und bin ich zur Zeit in einem Impfzentrum im Einsatz.

    1. Jeder kann sich anlasslos und kostenlos im Testzentrum testen lassen und an den Weihnachtsfeiertagen wurden zusätzlich zu den PCR-Tests, vor Altenheimen kostenlose Schnelltests für Besucher angeboten. Die Testergebnisse liegen in der Regel innerhalb 48 Stunden vor, bei den Tests in unserer Familie waren es immer unter 24h.
    2. Meine Kinder haben seit langem Maskenpflicht auf dem gesamten Schulgelände. Die Schulen meiner Kinder (>5te Klasse) sind sehr gut aufgestellt, was digitalen Unterricht angeht. Der Unterricht wird nach Stundenplan als Konferenz durchgeführt (sogar Sport). In der Grundschule läuft es eher analog mit Arbeitsblättern über E-mail und Briefkasten.
    3. Zum Impfzentrum: Bei den mobilen Teams ist das Hauptproblem die Bürokratie und technische Probleme (Software ist noch nicht ausgereift), die dazu führt, dass jede Impfung bis zu 10 min dauert. z.B. muss bei betreuten Personen die Unterschrift auf dem Aufklärungsbogen mit der des Betreuungsvertrags verglichen werden. In der Software müssen alle möglichen chronischen Krankheiten eingetragen werden, die man erstmal aus den vorhandenen Unterlagen herausfinden muss. Auch gibt es immer wieder Impflinge, deren Aufklärungsgespräch länger dauert als geplant.
    Der Ablauf im Impfzentrum ist gut organisiert und auch hier ist die Bürokratie das was am längsten dauert.
    Es werden keine Impfdosen weggeworfen. Wir dürfen sechs Dosen entnehmen und machen das auch. Die rechnerisch siebte Dosis ist nicht entnehmbar (Totraum).

    Es würde mich interessieren, ob Unterschiede in den Strategien der Bundesländer sich in den Zahlen wiederspiegeln.

    Vielen Dank an Pavel für die Risikotabelle, die meine liebste Quelle für die täglichen Zahlen ist.
    S.

  18. Hallo, kurze persönliche Erfahrung bezüglich “warum Mitarbeiter im Medizin-Bereich” sich nicht impfen lassen. Ich kenne eine/n Hausärzt*in und alles andere als skeptisch gegenüber Impfungen generell ist, Covid selbst schon hatte und alles andere als schwurbelig über das Thema denkt. Dennoch ist eine große Skepsis gegenüber der Impfung. Das beruht zum größten Teil auf einer Ausgabe des Arzneimittelbrief, der an der Stelle eine hohe wissenschaftliche Bedeutung zugemessen wird. Hier ist die Ausgabe frei verfügbar: https://www.der-arzneimittelbrief.de/de/Artikel.aspx?J=2020&S=85
    In der aktuellen Ausgabe gibt es ein Update dazu, was mir leider noch nicht vorliegt. Dennoch könntet ihr vielleicht einmal auch dazu recherchieren. Natürlich steht in dem Beispiel die bereits erfolgte Infektion eine Rolle, dass eine Impfung sicher “unnötiger” als bei anderen ist, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass andere von Grund auf auch kritischer demgegenüber sind. Ich persönlich schätze aber auch die Kritik aus dem Arzneimittelbrief eher als berechtigte Zweifel ein, als eine belastbare Aussage gegen den Impfstoff. Sprich ich lese daraus: es ist noch nicht ausgeschlossen, dass das nicht auch schief gehen kann.

  19. Hi Zusammen,

    erstmal Danke für euren tollen Podcast – ich höre euch wirklich gerne zu.

    In den letzten Folgen habt ihr ja schon öfters gesagt, dass sich das Testregime seit Anfang November geändert hat und deshalb die Zahlen nur bedingt mit denen vor November vergleichbar sind. Das ist vermutlich auch so, aber ich wollte, der Vollständigkeit wegen, anmerken dass sich in München (evtl sogar in ganz Bayern) noch immer jeder testen lassen kann – unabhängig von Symptomen oder Risikobegegnungen. (siehe https://www.corona-testung.de/).

    Ich weiß nicht ob München hier die einzige Ausnahme ist oder ob es noch andere Städte / Bundesländer gibt, die das Testregime nicht geändert haben. Es wäre uU auch interessant zu sehen wie sich das gemessene Infektionsgeschehen in diesen Regionen von dem anderer Regionen unterscheidet. (Falls ihr noch nach Themen für die nächsten Folgen sucht 🙂 )

    Viele Grüße,
    Marius

    • So wie sich mir die Situation in Bayern erschließt, gibt es bei uns (theoretisch) für jede Person, die möchte, einen (oder auch mehrere) kostenlosen (PCR-)Test(s) — allerdings nicht beim Hausarzt, denn der testet nur bei Symptomen oder bestätigtem Kontakt (wobei die Definition von letzterem nicht klar definiert zu sein scheint).
      In praxi sieht es dann allerdings so aus, dass man (wie aus dem Nachbarlandkreis gehört) sich erst einen Termin für die Testung geben lassen muss, der dann mit Glück in ein bis zwei Wochen stattfindet oder dass man zur Teststation nur ohne Termin kommen darf/kann, aber wieder heimgeschickt wird, wenn man zu weit hinten in der Schlange (!) steht.

  20. Danke für die Sendung. Ich möchte noch einen Kommentar zu der Bezeichnung “UK-Virus” abgeben. Ich finde die Argumente von Tim nachvollziehbar warum der Virus so genannt werden kann. Wenn ich mich richtig erinnere wurde Trump vehement dafür kritisiert den Ausdruck “China Virus” zu verwenden. Klar, so etwas hätte theoretisch in jedem Land passieren können. Aber es ist auch nicht ein bloßer Zufall warum dieser Virus in China ausgebrochen ist. Aber nicht in jedem Land gibt/gab es große Wildtier-Märkte und sicherlich gibt es noch weitere ökonomische, industrielle und kulturelle Faktoren welche die Entwicklung begünstigt haben.

  21. Wollte bei allen Einzelberichten über Pflegekräfte die sich nicht impfen lassen wollen anmerken, dass etwa die Hälfte der bis heute verabreichten Impfungen an Gesundheitspersonal ausgegeben wurde.
    Sehe da also bei aller Vorsicht die man zu diesem Zeitpunkt diesen Zahlen entgegen bringen sollte keine Hinweise für viel Verweigerung.

    Kleine Anekdote aus einer großen Klinik in der seit heute geimpft wird:
    In der Abteilung der Klinik in der ich eingesetzt bin liegt die Impfbereitschaft von Ärzten und Pflegepersonal bei 95%.

    Was mich gewundert hat waren die Ausführungen von Pavel über die angeblich dutzenden Impfungen die Gesundheitspersonal seiner Meinung nach regulär bekommt.
    Ich bin berufsbedingt vor über 10 Jahren gegen Hepatitis A und B immunisiert worden und mache seit nach einem Arbeitgeberwechsel seit ein paar Jahren die jährliche Influenzaimpfung mit.
    Bin also seit über 10 Jahren bei maximal einer berufsbedingten Influenzaimpfung im Jahr und vollständig nach STIKO geimpft.
    Hep. B ist auch schon vor längerem in die regulären STIKO Empfehlungen gewandert, bleibt Hep A und Influenza.
    Wüste ehrlich nicht was da noch berufsbedingt für Gesundheitspersonal dazukommen sollte um auf duzende Impfungen zu kommen.

  22. Hallo,
    gut fand ich, dass ihr neben den aktuellen Inzidenzen auch die Frage diskutiert, wieviel Prozent der Bevölkerung sich anstecken bevor sie eine Impfung bekommen.

    Aus den Parameter verfügbare Impfstoffmenge über die Zeit und aktueller Stand der Durchsuchung könnte man das doch für verschiede Szenarien der Inzidenzen durchrechnen.

    Wenn man z.B. nach dem Impfen der Risikogruppen den Lockdown wieder lockert, weil weniger Menschen sterben und Intensivbetten frei sind, werden sich sicher mehr als 50% der Bevölkerung vor einer Impfung anstecken.

    Habt ihr da gute Quellen für Stand der Durchsuchung und Impfstoffmengen?
    Benötigt ihr Unterstützung bei der Auswertung?

  23. Impfung in 2021 — schön und gut.
    Was den Zeithorizont angeht, habe ich da allerdings noch weitgehende Zweifel:
    Anekdotische Evidenz aus dem (fränkischen, aber dennoch „metropolregion“alem) Bekanntenkreis: Eine KiTa-Erzieherin Mitte 20 (nach StIKo-Kriterien Gtuppe 5, siehe https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/Ausgaben/02_21.pdf?__blob=publicationFile) hat Nachricht bekommen, sich ab AUGUST 2021 für die Impfung bereitzuhalten. Von daher sehe ich leider ziemlich schwarz, dass wir als „normale“ U60er, die keiner Risikogruppe angehören, vor September dran sind.

    MfG
    -oli-

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