UKW040 Corona: Pimp My CWA

Über die bisher verpassten und zukünftigen Chancen der Corona-Warn-App und digitaler Ökosysteme zur Bekämpfung der Pandemie

Heute spreche ich mit Henning Tillmann, selbst Softwareentwickler und politisch im Rahmen des Vereins D64 aktiv, der auch von Beginn an die Corona-Warn-App und ihre Entwicklung verfolgt und auch in verschiedenen Beiträgen kommentiert und kritisiert hat. Wir sprechen über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der App, die Rolle von Apple und Google, die Handlungsarmut der EU in digitalen Fragen und dann noch über zahlreiche Wege, wie sich die Ist-Situation verbessern lassen könnte: Erhöhung der Information und Transparenz der App, Aggregation der Statistiken und aktuellen Pandemie-Kennzahlen in der App, Cluster- und Innenraumerkennung, Presence Tracking und weitere Möglichkeiten, die Verbreitung und Nutzung der App voranzutreiben.

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Shownotes:

20 Gedanken zu „UKW040 Corona: Pimp My CWA

  1. Also ich weiß nicht, für mich sind Informationen über Datum und Zeit vollkommen irrelevant. Für das Ziel, welches mit der App verfolgt werden sollte, ist das eher irrelevant. Meiner Meinung nach muss man eine solche App nicht mit unnötigen Funktionen vermüllen, damit die Ahnungslosen den Eindruck bekommen, da tut sich was. Was man machen muss ist, endlich eine teuere, breitangelegte mediale Kompagnie. Was das anzeigen von Zahlen angeht, die müssen doch erstens richtig erhoben werden, und dann in das System eingepflegt werden. Der Vorschlag unterschiedliche Infos wie, wie wasche ich die Hände, das richtige Lüften, das gehört sehr wohl in die App.

    • >Meiner Meinung nach muss man eine solche App nicht mit unnötigen Funktionen vermüllen, damit die Ahnungslosen den Eindruck bekommen, da tut sich was.

      Richtig, das Verhalten ist bei mir dann genau anders herum.
      Updatet sich ein App 3x (ich mach es immer manuell), und ich habe sie seitdem nicht benutzt (wird hier bei CWA nicht so sein), dann lösch ich sie wieder….
      Wer so oft updatet, bastelt irgendwelche Features herum, und patcht sie womöglich am nächsten Tag gleich nochmal (die hab ich doch gestern erst…), sowas kann ich nicht gebrauchen.

  2. Viele haben ein massives problem schon damit, sich mit einer einfachen Bewegung die Maske über den Mund und Nase zu ziehen, und ihr wollt sie mit Einträgen in ein Kontaktbuch beschäftigen? Eine wirklich naive Vorstellung vom Verhalten der Massen. 🙂

  3. Ich finde – bei der netzpolitischen Thematik im im Podcast – hätte eine Klarstellung – der D64 ist ein SPD-naher Trinktank bzw eine Art von Vorfeldorganisation der SPD, dem Podcast gut getan.

    Gerade wo über die CWA gesprochen wird, ein Projekt der Regierung, an der die SPD beteiligt ist.

  4. Die Geschäftsmodelle von Apple und Google unterscheiden sich in den angesprochenen Punkten eben gerade nicht! Beide verdienen Geld mit Hardware _und_ Werbung, und profitieren damit direkt von den gesammelten Daten ihrer Nutzer.

    Schade, dass immer noch so viele auf das PR-Gelaber von Apple zum Thema Datenschutz herein fallen…

  5. Die Einschätzung, dass die länderübergreifende Apps im Juli/August so wichtig gewesen wäre, kann ich überhaupt nicht teilen.
    Ob die App schon im Sommer Europaweit funktioniert haben könnte ist doch wurscht. Da gab es kaum infizierte, die sich begegnen konnten…

    Im Grunde war der Sommer ein Betatest. Jetzt gillt es. Das war schon im Sommer absehbar.
    Wichtig ist das die App jetzt im Herbst/Winter gut funktioniert. Auch im Winter fahren theoretisch viele Leute in den Urlaub, auch und gerade nach Italien (wenn es nicht zu einem Lockdown kommt).

    Größtes Manko der App ist meiner Einschätzung nach, dass sie überhaupt nur die “Tröpfeninfektion” mit dem 1,5 m Abstand abdeckt. Und das aufgrund der Unwägbarkeiten der Bluetoothmessungen auch nur grob geschätzt.
    Viel wichtiger wird die Aerosolgeschichte – dem Hauptgrund für Ansteckungen mit Erkältungsviren im Winterhalbjahr….
    Dafür müsste die App aber wirklich zwischen drinnen und draußen unterscheiden können.

    Zusätzlich Informationen/Videos zu lüften und Co. in der App finde ich ehrlich gesagt auch überflüssig. Gerade Leute die sich die App installiert haben, sind ja wahrscheinlich schon gut informiert. Denen es egal ist, die haben die App auch nicht installiert…

    So ein Dashboard mit aktuellen Zahlen zu Infizierten und Nutzung der App wäre aber wirlich ein nettes Feature.

    Sinnlose Nervmeldungen, dass ich gerade in einer Menschenmenge stehe würde ich aber nicht wollen. Das sehe ich doch auch so!!!

  6. Beim LNP wird den Leuten was von WLAN-Tracking erzählt und hier soll das nun dauerhaft genutzt werden, um die Umgebungs-Situtation zu erkennen abzusuchen.

    Verstehe ich nicht.

    So viele Widersprüche in der modernen Welt…

    • Kein Widerspruch. WLAN Tracking lokal auf dem Gerät ist überhaupt kein Problem, das wird es erst, wenn die Daten an Google, Apple & Co. abfließen.

  7. Wenn die CWA auch die Kontaktverfolgung der Kneipen übernehmen würde wäre das auch eine Werbung für die CWA.
    Man wird dann immer wieder an die CWA erinnert.
    So nach dem Motto steter Tropfen höhlt den Stein 🙂

  8. Wir haben ein Framework von Google& Apple, wir haben eine OpenSource App von SAP und Telekom.
    Was hindert USA; China, Frankreich, Irland und andere Länder daran sich diesen Quelltext zu nehmen , Übersetzung dazuzugeben, Hinweise zu ergänzen, eigenen Server mit aufzustellen und in den Verbund zu h#ngen und schwupps fertig?

    • Im Prinzip nichts, nur dass die länderspezifischen Aspekte (Laboranbindung) sicherlich überall ausfallen würden. Aber wie erwähnt ist es nicht mal nötig, die App zu nehmen: man kriegt schon jetzt quasi alles for free. Exposure Notification funktioniert auf iOS und Android out-of-the-box auch ohne App, man muss lediglich den Datenserver von Google (Open Source) installieren und offiziell in Betrieb nehmen.

  9. Gibt es eine Auswertung, wie hoch die Positivitätsrate der per CWA gewarnten Leute im Vergleich zur Restbevölkerung ist?
    Eigentlich müsste es doch reichen, die Auftragsformulare zur SARS-COV-2-Testung ( https://www.kbv.de/media/sp/Ansichtsexemplar_Muster10C.pdf ) wieder einzusammeln: Dort soll ja angekreuzt werden, ob der Test aufgrund einer CWA-Warnung erfolgt ist und der QR-Code für das Ergebnis steht ja auch schon drauf…
    Dann hätte man schon ein Indiz, ob CWA überhaupt irgendwas oberhalb von Zufallstreffern bringt.

  10. CWA dient ja dem Zweck auch Übertragungen zwischen Personen aufzudecken, die sich nicht kennen oder sich nur flüchtig begegnen und daher in keinem Kontakttagebuch stehen können. Beispiele sind U-Bahn, Supermarkt, etc…
    Bisher war es nicht möglich, das Risiko solcher Begegnungen bzw. Orte einzuschätzen.
    Würden Uhrzeit und Datum von Risikobegegnungen angezeigt, würden sich einige Gewarnte erinnern wo sie waren: »9:30? Na klar, da war ich in der U3!«. Würde man solche Vorfälle anschließend sammeln und statistisch auswerten, könnte man erstmals das Risiko einer Übertragung in solchen Orten abschätzen. Vorausgesetzt natürlich, das würde irgendjemanden interessieren…

  11. Hallo Tim,
    ich höre seit ca. einem Jahr alle Folgen von LNP und einige von UKW. Sehr toll!
    Mir persönlich kommt der Aspekt der Betriebssysteme bei der ganzen CWA-Betrachtungen zu kurz. Mein neues Smartphone läuft seit kurzem mit /e/ OS (basiert auf LineageOS). Ich kann zwar die CWA-App installieren, aber nicht zum Tracking nutzen wegen Google Play Store auf den das “entgoogelte” Betriebssystem bewusst verzichtet. Verständnisfrage: Liegt das Problem bei mir, an dem Betriebssystem oder an der App, d.h. dem RKI, die die kleineren freieren Betriebssysteme nicht mitgenommen haben?
    Meine persönliche Meinung: Sonst findest du das Thema freie Software auch voll wichtig, sobald es aber zu einem Zielkonflikt kommt (hier: Coronabekämpfung) habe ich den Eindruck, das es sofort in den Hintergrund gerät. Dabei ist das Thema digitale Transparenz spätestens seit 2013/Snowden eigentlich ein Dauerbrenner (wenn auch nicht in der öffentlichen Wahrnehmung)-wie auch die Pandemie. Mit Einführung der CWA werden nach meiner Wahrnehmung kleinere Betriebssysteme noch unattraktiver, was ja auch letztlich einer staatlichen Diskriminierung gleich kommt nach dem Motto “The winer (apple, goole) takes all”. Ich verstehe nicht, warum du das nicht oder kaum anprangerst. Ich würde dich da voll gern verstehen und mich voll über eine Antwort freuen. Danke 🙂

    • Nachtrag:
      Ich hab nochmal genau recherchiert: Es gibt ein Projekt namens CoraLibre https://www.coralibre.de/, das von Hessen (danke Hessen, aber WARUM NICHT VOM BUND???) gefördert wird und halt jetzt am Anfang der zweiten Welle immer noch nicht fertig ist – wohl weil es von Anfang nicht so vorangebracht wurde wie die Kooporation. Super, dass es das Projekt gibt, trotzdem skandalös, das dem so wenig Bedeutung beigemessen wird, oder? Warum ist das nicht mal eine Erwähnung wert (oder hab ich da was überhört)?

      • Hallo

        Das Projekt coralibre.de das das Google/Apfel Framework ersetzen soll + microG was es wohl schon kann, habe ich in diversen UKW + LNP Kommentaren schon erwähnt.

        Wurde leider nie in einer Folge erwähnt oder verlinkt.
        Warum, kann ich nur vermuten.

        Diese Info hat nichts mit dem Apfelfon zu tun und/oder das es noch dazu Google freie Android versionen betrifft.

  12. Es werden viele gute Ideen zur CWA-Weiterentwicklung diskutiert, aber warum in Presse, Podcasts & Co. anstatt in https://github.com/corona-warn-app/cwa-wishlist oder den Issue-Trackern der Einzelkomponenten, oder https://github.com/google?q=exposure-notification ?

    Da die ZEIT es ja sogar schon schafft, auf GitHub zu verlinken, wirkt das Lamentieren über fehlenden Open-Source-Community-Spirit (zumindest teilweise) fehl am Platze. Unabhänging davon, wie schlecht SAP und Telekom das bisher gefördert haben. Für die gilt: Einmal Ergebnisorientierung für 68 Mille, bitte!

    An das Kommentariat dagegen: Wie wäre es mit folgendem Plan für den Winter?

    1. Ideen in Issue Tracker schreiben.
    2. Ideen breiter diskutieren, und Unterstützer*innen auf die Issues verweisen.

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