UKW050 Corona Weekly: Die Chewbacca-Verteidigung

Das Update zu Zahlen, Dunkelziffern und digitalen Fragen in der Corona-Krise

Lockdown is coming. Wir reden ja schon seit vielen Wochen davon, aber jetzt scheint es auch langsam der Politik klar geworden zu sein, dass man ab jetzt eigentlich alles nur noch schlimmer werden lassen kann, wenn man jetzt nicht handelt. Keine wirklich neue Erkenntnis aber in der gesamtgesellschaftlichen Lage offenbar ein komplexer Kompromiss. Wir sprechen wie immer über Zahlen und Erkenntnisse und geben ein paar Tips und machen Mut. Denn am Ende wird ja trotzdem alles gut.

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Shownotes:
R nach Neuinfektionen und Todesfällen in Deutschland am 11. Dezember 2020 (Pavel Mayer)
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20 Gedanken zu „UKW050 Corona Weekly: Die Chewbacca-Verteidigung

  1. Das mit den Pressekonferenzen ist doch genau so gewollt, sonst würden sie es ja anders machen. Das sieht man schon seit vielen Jahren bei den BPK, wo ein Seibert herumeiert und was sagt, ohne etwas zu sagen (zu können).
    Bisher hat das auch immer gut funktioniert, weil der Unterbau der Verwaltung halbwegs funktionierte und wir sind immer gut durch bisherige Krisen gekommen – aber wenn man Nichtstun und Abwarten seit Jahrzehnten prägt, und wenn dann alternativlos handelt anstatt verschiedene Strategien zu entwickeln, passiert doch genau das. Und irgendwann rächt sich dieser Stil mal. Was wurde in den letzten 15 Jahren denn mal großartig geändert oder angefasst/reformiert? Auch bei Rente wird doch seit Jahrzehnten herumpalavert und es wird jedes Jahr schlimmer.
    Ich habe nie verstanden, wie Merkels Regierungsstil als gut empfunden wird – und jetzt erst recht nicht. Nein, ich brauch keinen Hampelmann oder Populist – da haben wir ja nun genug Negativbeispiele um uns herum, die noch schlechter waren. Aber wir hätten es viel viel besser machen können – machen müssen. Und wenn wir es schon nicht selber erfinden, wenigstens Konzepte von anderen übernehmen, wie ein Stufenmodell für Maßnahmen etc. Das hätte man mit Studien belegen können, und ab August oder so fest eingeplant, und dann hätte man nur noch treffen und entscheiden müssen – ja, jetzt gehen wir von Stufe 3 auf 4. Jetzt wird scheinbar stundenlang herumgelabert, irgendwas muß aber bei rumkommen nach dem Meeting, also kommen Parkplatzmasken bei raus. Wenn ich meine Meinung kundtue, werde ich oft kritisiert, daß ich ja gegen Maßnahmen wäre – insbesondere, wenn ich es immer in Frage stelle, was das bringen würde. Aber ich will halt effektive und funktionierende Maßnahmen, nicht irgendwelche. Und so ist aus den Restaurantschließungen nicht das herausgekommen, etc pp.

    Die Kritikpunkte, auch an den Zahlen, sind seit Anfang an bekannt und es ändert sich nichts. Studien zum Verlauf, damit wir mehr Erkenntnisse für das nächste Mal haben? Hätten wir ab April/Mai machen können, in dem wir unterschiedlich lockern. Da hätten wir den Vorsprung, den Deutschland hatte, mal nutzen können, und auch Erkenntnisse für andere haben können.
    Der letzte Drosten-Podcast ist irgendwie bezeichnend, es werden nur Studien aus anderen Ländern zitiert. Nicht daß es schlecht wäre, aber was haben wir denn vorzuweisen? Relativ wenig fürchte ich. Jaja, da bin ich wieder der Meckersack, aber irgendwie finde ich es deprimierend.

    Und ernst ist es noch lange nicht, wenn Gesundheitsämter noch immer Wochentagsschwankungen haben oder ganze Tage komplett ausfallen. Besagte Berliner Zahlen waren das beste Beispiel. In den Tagen sind so oft Ausfälle zu sehen (hier gleich 4), ist doch kein Wunder.
    https://www.berlin.de/corona/lagebericht/desktop/archiv/berlin-website-2020-12-06.html#bezirke
    (es gibt via Archiv dann jeweils die alten Dashboard-Seiten)
    Die Zahlen kommen dann am Folgetag, sehr schön auch am 4. Dez Berlin Mitte 0, am 5. dann 335, also Nachmeldungen. Anstatt die dann auszuteilen und nachträglich zu setzen.
    Wie soll man denn daraus auch gerade Schlüsse ziehen können?!

    • “Ich habe nie verstanden, wie Merkels Regierungsstil als gut empfunden wird – und jetzt erst recht nicht.”

      Weil die Leute eben nicht wollen dass sich etwas ändert. Ambiguitätstoleranz ist in Deutschland ein Fremdwort. ^^

  2. Guten Abend!
    Ich hab mir gerade den Vortrag von Frau Dr. Thorn “Das Coronavirus sichtbar gemacht” angeguckt. Danke an Tim für den Tip! Ich kann nur allen empfehlen sich den Vortrag reinzuziehen. Er ist wirklich erhellend. Als ich zuletzt dort war gab es nur 324 Zuschauer. Das ist zu wenig!

  3. Hallo,
    (DANKE FÜR DIE WÖCHENTLICHEN ANALYSEN!!!!)

    ich meine schon, dass man die Daten generell schon so filtern kann, dass es nicht zu einer zeitlichen Verschiebung zwischen ungefilterten und geglätteten Daten kommt. Was ja gern genommen wird ist ein gleitender Mittelwert über x Tage. Das führt zu solch einer konstanten Phasenverschiebung, wie beschrieben. Je länger die Zeitkonstante der Glättung, umso größer die Phasenverschiebung der geglätteten Kurve.

    Will man das vermeiden, kann man einen Trick anwenden. Man glättet einfach zweimal: einmal von hinten nach vorn und dann nochmal von hinten nach vorn. Der haken daran ist, dass das nur mit Werten funktioniert, die schon ein wenig in der Vergangenheit liegen, da am Start und Ende der Zeitreihe “Platz für das Filterfenster” benötigt wird.

    Gut erklärt ist das hier:
    Zu Studienzeiten war das eine meiner Lieblingsfunktionen 🙂
    https://www.mathworks.com/help/signal/ref/filtfilt.html

    Beste Grüße
    Jens

  4. Am Anfang der Folge fragt ihr euch, warum in Dänemark zwar die Infektionsrate höher als in Deutschland, die Zahl der Toten pro Tag aber niedriger ist. Ihr überlegt dann kurz, ob Dänemark vielleicht seine alten Menschen besser schützt.
    Aber kann das nicht auch ein reines Zahlenphänomen sein? Deutschland testet zu wenig, wie ihr ja auch immer wieder bemängelt (Share of positive Tests: 10,2% vs. 2,2% in Dänemark). Die realen Infektionszahlen sind demnach in Deutschland wahrscheinlich um ein vielfaches höher, womit auch der Anteil der Toten niedriger wäre.
    Das bedeutet natürlich nicht, dass Deutschland seine alten Menschen doch besser geschützt hätte. Sondern, dass auch die Infektionszahlen in Deutschland wesentlich höher als in Dänemark sind.
    Allgemeiner gefragt: Müssten bei länderübergreifenden Vergleichen von Infektionszahlen und Todeszahlen nicht immer die Positivraten der Tests einbezogen werden?

  5. Wieso Erkältungs-/Grippezahlen nicht zurückgegangen sind?

    Weil deren Geschehen hauptsächlich im Jan./Feb. stattfindet/stattfand, bevor wir irgendwas wg. Corona gemacht haben, würde ich vermuten.

    • Oder es waren manche grippeähnliche Symptome vielleicht ein “milder” Corona-Verlauf.
      Arzt so: “Testen? Ach was, das ist nur eine Grippe!”.

    • In der aktuellen Saison scheint die Grippe bisher auch zurückgegangen zu sein. Jedenfalls meldet der aktuelle Influenza-Wochenbericht (KW 49-2020) seit KW 40 bisher 174 nach dem Infektionsschutzgesetz gemeldete labordiagnostisch festgestellte Influenzafälle. 2019 waren es im selben Zeitraum (von KW40 bis 49) 1348, also deutlich mehr. Auch insgesamt liegt die geschätzte Zahl der mit Atemwegserkankungen (ARE) erkrankten deutlich niedriger als in den letzten Jahren (Ausnahme Rhino-Viren).
      Die Frage ist allerdings wie stark der Effekt wirklich ist, oder ob z.B. ein Rückgang von Arztbesuchen eine große Rolle spielt, denn der Rückgang ist besonders stark bei den Arztbesuchen von 0-4jährigen.

      • Gut zu wissen.
        Allerdings dürfte man eigentlich nicht die Zahlen dieses Jahres mit denen des letzen vergleichen, da die Zahlen von Jahr zu Jahr recht starken Schwankungen unterliegen können – aus einer anderen Diskussion weiß ich aber, dass die Zahlen letztes Jahr nicht so hoch waren – 1 oder 2 Jahre davor waren sie das.

        Und ja, wenn die meisten oft MNS tragen und ihre Kontakte einschränken, sollte sich die auch die Stinogrippe schwächer ausbreiten. Effekte wie verminderte Arztbesuche können natürlich auch eine Rolle spielen. Umgekehrt kann aber auch jmd., der in anderen Jahren die Grippe einfach ausgesessen hätte in diesem Jahr einen Arzt besuchen, um auszuschließen, dass es Corona ist.

  6. Hallo Zusammen!

    Ganz herzlichen dank, dass ihr nicht nachlasst, die Zahlen aufzubereiten und manche leider yu wenig bekannten Ergebnisse vorzustellen. Der Vortrag von Frau Thorn is klasse, so funktioniert Wissenschaftsvermittlung. Das PSI kommt etwas hölzern rüber, aber der Inhalt ist ebenso wichtig.

    Zu den Aerosolen ein Hinweis in eigener Sache: Zusammen mit ein paar Kollegen haben wir seit September in Berlin eine Plattform aufgebaut, um die Messwerte von vernetzten CO2-Sensoren einzusammeln und öffentlich verfügbar zu machen: https://clair-berlin.de.
    Das ganze ist ein ehrenamtliches Open-Source Projekt. Wir sind gerade im Testbetrieb und freuen uns über Unterstützung. Wenn jetzt viele Räume mit CO2-Ampel ausgestattet werden, wäre es klasse, wenn diese nicht nur lokal den aktuellen Wert anzeigen würden, sondern die Daten per Funk weiterleiten könnten.

    Liebe Grüße
    Uli

  7. Was Tim andeutet mit den Masken unter Freunden, ist die selbe kognitive Dissonanz die auch dazu führt dass die Menschen sich noch immer mit HIV, Tripper und CO anstecken.

  8. Hi, könntet ihr euch bitte in der nächsten Sendung mal kurz mit der Lage in Rostock auseinander setzen? Die Inzidenz (13.12. 12.9/100.000) ist ja kaum zu glauben…
    Vielen Dank für eure guten Sendungen und viele Grüße
    Max

  9. Hallo Tim,

    ich möchte etwas an der Audioqualität der letzten UKW-Folgen kritisieren (und auch der letzten LNPs). Ich empfinde beim Hören neuerdings die “aspirierten” Konsonanten als unnatürlich laut und ziemlich störend, sodass ich die Folgen nicht zu Ende gehört habe.

    Also: die Ds, Ts, Se, SCHs, CHs usw. sind im Verhältnis zu den stimmhaften Worteilen (Vokale etc.) zu laut. Das hört sich für mich ein bisschen so an, als würde eine Person absichtlich versuchen, alle Konsonanten besonders überzubetonen. Wenn man von Angesicht zu Angesicht mit jemandem redet, sind diese Laute aber ja normalerweise viel leiser als die, die von den Stimmbändern gemacht werden. Ich habe es sowohl im Auto, übers iPhone und Kopfhörer probiert, überall zischt es gleich … Gerade bei Pavels entspannter Stimme hört sich das dann alles sehr unnatürlich an.

    Zwei Ideen:

    1) Ich würde vermuten, dass das Headset sehr nah am Mund ist und alles direkt dort abnimmt. Vielleicht kann man am Winkel der Membran zum Mund etwas zu ändern und/oder das Mikro weiter vom Mund weg bekommen um diese Geräusche nicht voll abzunehmen? So bekäme man vielleicht einen natürlicheren Klang hin. (Man hält ja auch sein Ohr natürlicherweise nicht einen Zentimeter vor die Lippen seines Gesprächspartners.)

    2) Oder die Mikroposition ist gar nicht der Übeltäter, sondern eine zu hohe Kompression, die das alles “aus dem Keller” nach oben holt und auf die gleiche Lautstärke bringt wie die Vokale?

    Würde mich jedenfalls freuen, wenn man da was machen kann.

    Genieße sonst die Folgen sehr! Besonders die UKWs sind inhaltlich top.

    Danke und herzliche Grüße,
    Alex

  10. Ich möchte euch von den Erlebnissen meines Bruders in Thüringen berichten. Dort geht er in die zwölfte Klasse eines Gymnasiums im ländlichen Raum (der ist sogar für Thüringen noch auffallend ländlich).

    Die Schule hat natürlich ein ausgearbeites Konzept, jedoch interessiert dieses Konzept die Lehrer nur marginal. Eine Anekdote dazu lautet z.B., dass der Schulleiter in einen Fachraum kommt, in dem eine Klasse mit circa 30 Schülern ohne ausreichende Lüftung unterrichtet wird. Er weißt die Lehrerin an, dass die Klasse den Raum wechseln müsse. Im Ergebnis sitzt die Klasse dann mit circa 30 Schülern in einem anderen, unbelüfteten Raum.

    In einem anderen Fall baten einige Schüler einen Lehrer um Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahme, worauf dieser entgegnete, dass er derjenige wäre, den Corona hart treffen würde, und nicht etwa die Schüler. Natürlich hat sich danach auch nichts geändert.

    Auch wenn ich nicht weiß, ob die Verantwortung bei der Schule, dem Schulamt oder dem zuständigen Ministerium liegt, finde ich es sehr verwunderlich, dass Schüler weder getestet noch unter Quarantäne gestellt werden, wenn Klassenkameraden oder Lehrer, die in der eigenen Klasse unterrichteten (unter o.g. Bedingungen) positiv auf das COVID19 getestet werden.

    Alles in allem braucht sich keiner wundern, wenn 17 von 23 Landkreisen (74%) allesamt in Pavels Risiko-Ranking in den oberen 35% aller Landkreise liegen.

    • Nachtrag:
      Die betroffenen Kreise und Nachbarkreise haben sich mittlerweile in die bundesweiten Top 30 arbeiten können, was die 7T-Inzidenzen pro 100Tsd EW angeht.

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