UKW061 Corona Weekly: Das Virus-Prekariat

Das wöchentliche Update zu Zahlen, Dunkelziffern und digitalen Fragen in der Corona-Krise

Nach einer kleinen Feedbackrunde schenken wir den wie erwartet recht deprimierenden Zahlen etwas Aufmerksamkeit und erläutern die Neuerungen in Pavels Risiko-Tabelle. Danach widmen wir uns der Verbreitung von Mutationen in Deutschland, blicken auf die Welt aus der Perspektive des Virus, diskutieren die Komplexität des menschlichen Immunsystems, Schnelltests, den Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland, die neuesten Erkenntnisse aus der Impfkampagne in Israel und schauen auf ein paar Meldungen rund um die Impfstoffe und eine vielversprechende Entwicklung eines Medikaments aus Israel. Am Ende schütteln wir den Kopf über die Universität Hamburg, die sich nicht nur mit einer neuen "Studie" eines fachfremden Professors zur angeblichen "Erzeugung" des SARS-CoV-2 Virus blamiert und die reihenweise rechtsradikale "Quellen" anführt sondern die auch noch die Traute hat, den Unsinn mit einer Pressemitteilung den Boulevardmedien zum Fraß vorzuwerfen.

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Shownotes:
Neuinfektionen in Deutschland am 20. Februar 2021 (Pavel Mayer)
R in Deutschland am 20. Februar 2021 (Pavel Mayer)
Todesfälle in Deutschland am 20. Februar 2021 (Pavel Mayer)
Positivrate in Deutschland am 20. Februar 2021 (Pavel Mayer)
Covid-19 Tests Deutschland nach Kalenderwoche Stand 17.2.2021
Covid-19 Tests Deutschland nach Kalenderwoche Stand 17.2.2021

37 Gedanken zu „UKW061 Corona Weekly: Das Virus-Prekariat

  1. Wobei die Laborhypothese streng genommen keine Verschwörungstheorie ist, soweit ich das verstehe gehen die Leute die das glauben davon aus dass es ein Unfall war, es gibt also keine Verschwörer und ansehen muss man es dem Virus auch nicht dass es aus dem Labor kommt, schließlich erforscht dieses Labor ja jede Menge natürliche Coronaviren. Matt Ridley will darüber übrigens ein Buch schreiben.

    Ich persönlich halte die offizielle Geschichte für die wahrscheinlichste, aber mit Sicherheit ausschließen dass es aus dem Labor kommt kann man nicht.

    • Sorry, aber am Ende ist diese “Unfall”-Geschichte nur ein Mäntelchen für eine tief rassistisch geprägte Verschwörungstheorie à la “China-Virus”, mit der am Ende wieder ein Schuldiger gesucht werden soll, damit man sich selbst als Opfer skizzieren kann. Das Blame Game haben wir nun schon tausend mal durchgespielt und es ermüdet mich nur noch.

      Als in den 80er Jahren HIV aufkam gab es die selbe Nummer auch in Deutschland, da waren es dann die Labore der CIA und sogar die taz war sich nicht zu schade, einen entsprechenden Artikel zu veröffentlichen, in dem diese “Theorie” ausführlich durchgenudelt wurde, um einen Tag später in einem Kommentar anzumerken, dass sie ja schon vor Veröffentlichung des “Meinungsbeitrags” gewusst hätten, dass da eigentlich nichts dran ist.

      Das selbe Muster ist dann diese leidige “Inside-Job”-Geschichte rund um 9/11. Immer geheime Bünde oder Institutionen, immer angebliche Vertuschung, Unfälle oder andere Szenarien, denen superkluge “Rechercheure” durch das oberflächliche Betrachten von “Berichten” angeblich auf die Spur gekommen sind. Kein Großereignis der Welt, bei dem die Scheiße nicht immer wieder nach der selben Manier abgespult wird.

  2. Bzgl. “nicht immer genau die Zahl, wie man sie beim RKI liest”:
    Wäre schön, wenn die Länder die Daten überhaupt mal ordentlich übergeben würden.
    Da sind es in meinem Landkreis Lüneburg (Niedersachsen) alleine in diesem Monat (02-2021) bereits 6 Tage, an denen beim RKI keine Neuinfektionen erfasst sind, obwohl es welche gab.
    Die letzten zwei Wochen stimmen die Inzidenzwerte daher vom Land Nieddersachsen* und vom RKI gar nicht mehr überein und man kann daher bspw. Apps vergessen, die einen den RKI-Wert anzeigen.

    Wenn das nicht nur bei meinem LK der Fall ist – was irgendwie anzunehmen ist – dann dürfte alleine schon durch die mangelhafte Übermittlung an oder die mangelhafte Verarbeitung innerhalb des RKI der Inzidenzwert für Deutschland schon einen Schwung höher liegen.

    * https://www.apps.nlga.niedersachsen.de/corona/iframe.php
    Da gibt es dann unten bspw. die CSV-Datei “Fälle pro Tag und Landkreis”, wo die eigentlichen Zahlen enthalten sind.

    • Das wird immer “toller”:
      Nicht nur, dass die Kommunikation zwischen Landkreis => Nds. Landesgesundheitsamt => RKI nicht klappt hat sich noch Folgendes herausgestellt:

      Der Landkreis veröffentlicht eine Tabelle.
      Dort sind u.a. die Rohdaten (bestätigte Corona-Fälle des Tages) enthalten. Aber anstatt sich aus diesen eigenen Daten einfach den 7-Tages-Inzidenzwert zu errechnen wird in der gleichen Tabelle in einer anderen Spalte der Wert der 7-Tages-Inzidenzwert vom NLGA übernommen.
      Da aber eben dahin oft nicht alle Daten kommen (oder wo auch immer da der Fehler liegt) ist deren Wert natürlich auch oft falsch (so wie aktuell: NLGA sagt 36,4; korrekt wäre 45,1).
      Kannste dir nicht ausdenken ….

    • Danke fuer die Webseite!

      Ich habe die csv-Dateien seit Ende Juni. Hast du Interesse daran? Dann koennte ich sie dir irgendwie zukommen lassen.

      Natuerlich unter der Annahme, dass Pavel nichts dagegen hat (ich habe keine Infos zur Datenverwendung gefunden).

    • Super arbeit danke dafür. die seite vom RKI bringt einen da einfach nicht so weit und auf pavels seite fehlt mir genau der zeitliche verlauf.

    • Hi Marco,

      maximale Schachtelungstiefe der Kommentare bei deiner Antwort war asugeschoepft, daher hier.

      Habe es einfach hier hin geladen https://easyupload.io/mxowzl falls noch jemand Interesse daran hat. Sollte 30 Tage abrufbar sein.

      Keine Garantie fuer etwaige Fehler, sollte aber soweit alles korrekt sein. Das Datum im Namen der Datei ist der Datenstand auf Pavels Seite.

      Es gab leider Tage, wo es Probleme auf der Seite gab und ich es dann vor der Aktualisierung nicht mehr geschafft habe, den entsprechenden Tag zu sichern, kann also leider sein, dass einzelne Tage fehlen… :/.

      Und jetzt bin ich auf die Visualisierung gespannt :).

      Danke!

  3. Thema Evolution:

    Wir Impfen gerade unter extrem ungünstigen Bedingungen:
    – Inzidenz noch sehr hoch
    – Lockdowns werden gelockert
    – Impfungen mit dem gleichen Impfstoff gehen langsam & über Monate (=Virus kann reagieren)

    Damit laden wir das Virus zu Mutationen ein. Kann man natürlich auf weitere (v.a. halbherzige) Maßnahmen, wie im Podcast beschrieben, ausweiten.

    Solange wir nicht stark Richtung sehr niedrige Inzidenz arbeiten brauen wir in der Petrischale Europa gerade ein riskantes Süppchen…

    Mir da von politischer Seite jeglicher Weitblick *seufz*

    • Allerdings leider richtig.

      Ich empfehle in dem zusammenhang auch das anhören von dieser BackStory with Dana Lewis Podcastepisode vom 18.2.21, wo er Deepti Gurdasani und Eric Feigal-Din interviewt. Ist zwar US/UK lastig und der gesprächsstil für meinen geschmack etwas arg aufgeregt, aber in der sache ein sehr gutes gespräch. Deepti Gurdasani ist senior lecturer on epidemiology and statistical genetics at Queen Mary Univ. of London und Eric Feigal-Ding, US basierter epidemiologist. https://backstorywithdanalewis.buzzsprout.com/1016881/7945540-zero-covid

      Eine der zentralen kritikpunkte am aktuellen handeln in europa ist hier, dass impfen ohne gleichzeitiges drücken der reproduktionsraten richtung null einem vor allem schnell impfresistente varianten ausbrütet

  4. Also ich fand Pavels Monolog z.T. echt erhellend. Besonders gut finde ich die Formulierung, dass *wir* die Mutationen selektieren. Selbst bei Drosten hört man so vermenschlichende Formulierungen wie “das Virus will …”. Das Virus mutiert. Punkt. Mutationen, die schlecht sind für die Verbreitung, verbreiten sich nicht, andere schon.
    Einen Aspekt finde ich noch spannend: Wie ist es mit Mutationen, die die Gefährlichkeit reduzieren? Wenn wir dann lockern können haben diese die Chance, sich weiter zu verbreiten. Aber mit welchen Mechanismen würden dann die gefährlichen Mutationen unterdrückt? Würden sie das überhaupt?

  5. Zu Dänemark – als Vergleich – der allgemeine Lockdown ist hier nicht schärfer – mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes. Der größte Unterschied zu Deutschland ist das höhere Testen und die schon mehrfach lokal durchgeführten lokalen Lockdowns mit Kiompletttestung aller Bürger einer Region in der die Werte komplett aus dem Ruder gelaufen sind. Steht wohl jetzt auch wieder Kolding bevor.

    • Ich arbeite in einem Krankenhaus in Dänemark. Testen (Nasen-/Rachenabstrich oder nur Mund) während der Arbeitszeit ist absolut kein Problem, wird je nach Einsatzbereich auch von Arbeitgeberseite 2 x wöchentlich oder 1 x wöchentlich empfohlen. Wer möchte kann sich auch täglich testen lassen ohne dafür scheel angeguckt zu werden. Oder alle 2 Wochen – wie eben gewünscht. Mein Eindruck ist, dass das Angebot sehr gerne abgenommen wird. Ergebnis kommt per sicherer Email Kommunikation am Abend oder am nächsten Morgen in meine e-Boks.

  6. Hi ihr zwei!
    Ich fand die kleine Geschichte von Pavel aus Sicht des Virus auch gut.
    An der Stelle “so schnell weltweit reisen kann das Virus auch nur durch uns” dachte ich, ja und vermutlich haben wir ihm auch erst zur Existenz verholfen – auch wenn wir es vielleicht nicht genau rausfinden können, ich glaube es ist seit langem unstrittig, dass die perverse Art wie wir Tiere halten zum Beispiel, schon lange die Gefahr neuer Seuchen und Pandemien birgt. Hat mal jemand vorgeschlagen das zu ändern? Soll auch beim Klima helfen.

    Danke für die Sendung und liebe Grüße!

  7. Was den AstraZeneca-Impfstoff schon schlecht aussehen lässt ist die Tatsache, dass Südafrika den jetzt gar nicht mehr verimpft. Ich würde mich mit dem derzeit schon noch impfen lassen, würde mich aber auch fragen, ob ich dann noch zeitnah eine eventuell nötige weitere Impfung bekommen würde.

  8. Hi! Kurze Ergänzung zum Hamburger Schwurbler: Ich bin an einer anderen Uni, aber bei uns kann man die Pressestelle eigeninitiativ kontaktieren und um eine Pressemitteilung bitten, bzw. diese auch selber schreiben. Die Pressestelle unterstützt einen dann dabei, den Text vom Wissenschaftsjargon in verständlichere Sprache zu übersetzen. Außerdem haben sie einen Twitter/Facebook/etc.-Kanal und verbreiten die Mitteilung dann dort.

    Wie Pavel auch schon angedeutet hat, würde ich der Pressestelle da keinen Vorwurf machen. Die sind im Prinzip Teil der Verwaltung, und wenn dann ein “großer Professor” kommt und einen Text zur Veröffentlichung einreicht, sind die nicht in der Position den inhaltlich abzulehnen. Das sähe auch komisch aus und erinnert an googles Fall mit Timnit Gebru. Ein Ausweg wäre evtl. gewesen, den Text einem anderen Professor vorzulegen, aber da macht man ein Fass von internen Verfeindungen zwischen den Fakultäten und irgendwelchen komischen Statuskämpfen auf.

    Ja, es läuft einiges schief im Berufungsprozess. Idioten kommen eher selten durch, aber es ist auch nicht so, dass “die beste Kandidatin” (auf Basis der Publikationen o.ä.) die Stelle bekommt. Da wird systematisch die eigene Fraktion befördert. Mein aktueller Stand ist, dass “Kontakte in die Professorenschaft” und “Aufenthalt an Unis der Ivy League” bedeutsame Prädiktoren für die Berufung sind, Publikationen aber nicht [1].

    [1] https://www.researchgate.net/profile/Rene-Krempkow/publication/333163357_Wieviel_zahlt_Leistung_bei_Berufungen_und_wieviel_Herkunft_Ein_Uberblick_zu_jungsten_Forschungen/links/5ceb92a4299bf14d95bd4ac0/Wieviel-zaehlt-Leistung-bei-Berufungen-und-wieviel-Herkunft-Ein-Ueberblick-zu-juengsten-Forschungen.pdf

  9. Hallo und Danke für eure Arbeit,
    ABER, was die vorgezogene Impfung von LehrerInnen angeht, habe ich (als Risikopatient mit Kindern) eher die Angst, dass dann von zu vielen LehrerInnen die Schutzmaßnahmen vernachlässigt werden, weil: “Kinder kriegen ja eh nix!”, stimmt aber nicht, auch Kinder können Longcovid oder schwere Verläufe haben. Außerdem tragen sie es trotzdem nach Hause. Ich kann, oder will mich nicht vor meinen eigenen Kindern schützen! S.a.:
    https://twitter.com/Anaesthet1/status/1363731436461846528
    Ausbrüche in Schulen werden jetzt schon nicht gesucht, vielleicht wäre es OK, wenn jedes Schulkind nur dann am Präsenzunterricht teilnehmen darf, wenn es sich 2-3 x je Woche (schnell-) testen lässt.

  10. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Bedenken, mich mit einem der mRNA Impfstoffe impfen zu lassen.
    Hinsichtlich einer ausreichenden Immunantwort hat mich nun auch der AstraZeneka Impfstoff überzeugt.
    Die Funktionsweise dieses Impfstoffes ist aber eine andere.
    Ich wollte mich zu möglichen Risiken belesen, und stieß nun auf das:

    https://www.spektrum.de/news/vektor-impfstoff-wird-adenovirus-dna-ins-genom-eingebaut/1835725

    Zitat:

    »Die Gefahr einer malignen Transformation durch Integration an der falschen Stelle des Genoms wird nicht hoch eingeschätzt, denn in der Regel bedarf es mehrerer genetischer Veränderungen, damit ein Tumor entsteht«, sagt Christian Münz. »Aber im Vergleich zu einem potenteren RNA-Impfstoff, bei dem diese Gefahr deutlich geringer ist und der höhere Effizienz gegen Sars-CoV-2 zeigt, ist dann plötzlich nicht mehr einzusehen, weswegen man den rekombinanten Adenovirusimpfstoff verwenden sollte.«

    Mir fehlt hier eine nähere Angabe darüber, was “Nicht hoch” bedeutet?
    Wie seht ihr das?
    Gerne lasse ich meine Bedenken vollumfänglich zerstreuen.

    • Hallo,
      eine genaue Zahl kann ich dir auch nicht nennen, nur ein paar Überlegungen dazu.
      Grundsätzlich gibt es nicht viele Virus induzierte Krebsarten. Das ist hier durch maligne Transformation (von Körperzellen) gemeint. Und die Viren (HPV) die nachgewiesen Krebs verursachen tun dies durch Gene die sie mitbringen und in den Impf-Vektoren natürlich fehlen. Im Rahmen “normaler” Krankheiten kommt es wohl auch massenhaft zu solchen Integrationen, die man auch tatsächlich als “Müll” (Transposons) im Genom nachweisen kann. Allerdings führt dies aus mehreren Gründen nicht zu Malignisierung:

      Erstens ist der kodierende Teil des Genoms relativ klein weshalb die Wahrscheinlichkeit der Integration in einem “wichtigen” Gen relativ klein ist. Dann müsste das Gen ein Tumorsupressor-Gen sein dessen Inaktivierung zur Malignisierung führt. Häufiger wird wohl ein essentielles Gen der Zelle getroffen wodurch diese Zugrunde gehen wird.
      Zweitens müsste die malignisierte Zelle dem Immunsystem entgehen.

      Trotzdem besteht aufgrund der hohen Zahlen eine hypothetisches Restrisiko welches für mRNA-Impfstoffe nicht existiert.

  11. Als Anfang letzter Woche die Zahlen, im Vergleich zur Vorwoche, zu steigen begannen wollte ich mir ein eigenes Bild machen, und setzte eine länger gehegte Idee um: Grafiken von Wochentagen zu machen, also nur Montage mit Montagen vergleichen usw.
    Zwar zeigt die Tagesschau den Wert von vor einer Woche, aber insgesamt nur 10 Tage, etwa.
    Anomalien wie bewegliche Feiertage hat man dann immer noch, aber kurzfristig ist der Wochentag ja wichtiger bei der Einschätzung des Trends, als der Wert von gestern.
    Als Datenbasis nehme ich die Daten von worldometers.
    Inzwischen habe ich es voll automatisiert zu einem Script, das man von meinem Blog kopieren kann, ca. 50 Zeilen Bashcode (der Gnuplot-code erzeugt und dann aufruft) plus ein paar Kommentare, ein paar mehr im Blogbeitrag, für die, die vielleicht coden können, aber nicht mit der Bash.

    Falls es sich jmd. ansehen und es ändern will: Es ist GPL, fühlt Euch eingeladen.

  12. Am Montag haben alle 12 Amtsärzte Berlin vom Senat gefordert, nicht mehr (alleine) die Inzidenz als zentrale Regelgröße des Pandemiegeschehens zu verwenden. Grund ist, dass man nicht in der Lage war, die Inzidenz und damit auch das Infektionsgeschehen richtig zu erfassen. Deswegen wollen sie in Zukunft die Maßnahmen an der zu erwartenden Erkrankungsschwere festmachen. Zum Beispiel in dem man sich die bisher nicht wirklich brauchbaren Zahlen nochmal ganz genau anschaut und nach Alter gewichtet.

    Außerdem wollen alle Berliner Amtsärzte sich auf den Schutz vulnerabler Gruppen konzentrieren um in anderen Teilen der Gesellschaft mehr lockern zu können. Schließlich kann man sich in den nicht vulnerablen Teilen der Bevölkerung auch höhere Inzidenzen erlauben.

    Eine No-Covid-Strategie lehnen alle Berliner Amtsärzte strikt ab.

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/20-35-oder-50-nicht-zielfuehrend-amtsaerzte-fordern-abkehr-von-lockerungen-nach-inzidenzwert/26937634.html

    Siehe auch RBB-Abendschau vom 22.2., Beitrag “Amtsärzte fordern Umdenken”, Kommentar mit weiteren Zitaten:
    https://www.rbb24.de/panorama/thema/corona/beitraege/2021/02/berlin-amtsaerzte-epidemiologen-argumente.html

    In wie weit die Berliner Amtsärzte die wenig vulnerablen Gruppen (Kinder, etc…) überhaupt noch testen wollen und dort noch eine Kontaktverfolgung durchführen wollen, ist mir nicht klar.

    (Auch das RKI hat seinen Stufenplan vorgestellt, und auch dieser soll sich nicht mehr nur an der Inzidenz richten:
    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Downloads/Stufenplan.pdf?__blob=publicationFile
    Allerdings verzichtet man hier auf die Idee der Isolierung vulnerabler Gruppen und eine geringe Krankenhausbelegung ist kein Grund für Lockerungen)

    Bei mir festigt sich jedenfalls der Eindruck, dass die Amtsärzte in Berlin nie an einer konsequenten Fallverfolgung und Eindämmung der Pandemie interessiert waren.

    Daraus schließe ich:
    1) Oft wurde argumentiert, dass man bei einer niedrigen Inzidenz wieder Lockern könnte. Meist liegt die Idee dahinter, dass man dann unter Beibehaltung von R<1 eine Eindämmungsmaßnahme (wie Lock-Down) durch die Eindämmungsmaßnahme der Kontaktverfolgung und -isolierung eintauschen könnte. Wenn die Ämter diese Aufgabe aber nicht übernehmen wollen sollten, wird es niemals den Punkt geben, wo man diesen sicheren Tausch der Eindämmungsmaßnahmen durchführen kann. Sollten wir also eine "low-covid-Strategie" fahren wollen, sind wir also zur ewigen Lock-Down-Agonie verdammt, egal wie niedrig die Inzidenz ist, weil uns die Gesundheitsämter nicht helfen werden.
    2) Wenn man eine breite Infizierung in den nicht-vulnerablen Gruppen akzeptiert, ist für große Teile der Bevölkerung der Impfstoff nicht mehr nötig. Wir hätten zu viel bestellt. Diskussionen über Impfstoffe für Kinder wäre verlogen und deren Bestellungen nach heutigem Stand Veruntreuung von Steuergeld. Ob eine Impfung der Leute in Kategorie 4 überhaupt notwendig ist, ist ebenfalls fraglich.
    3) Wenn Michael Müller halbherzig an diesen komischen Lock-Down medium festhält, dann tut er das gegen den einstimmigen Rat all seiner Pandemie-Experten. So gesehen müsstet ihr ihn für seine Standhaftigkeit lobpreisen.
    4) Wenn Kategorie 1..3 geimpft sind, werden wir uns eine um Größenordnungen höhere Inzidenz erlauben können (1%/Woche? 10/Woche%). Mal gucken, ob die Gesundheitsämter *dieses* Infektionsgeschehen noch erfassen können.

  13. Zur Kritik an der Hamburger Studie und dem Umgang der Universität mit dem Quatsch:

    Meiner Meinung nach ist die Reaktion nach Schema „Wissenschaftsfreiheit! Wir wollen zur Diskussion anregen“ nicht nur ein Problem der Hamburger Pressestelle sondern ein fundamentales Qualitätsmanagementproblem der gesamtdeutschen Wissenschaftsgemeinde.
    Die Unis tragen die Wissenschaftsfreiheit wie eine Monstranz vor sich her ohne etwas zur Verbesserung der Qualität zu tun. Professoren können, sobald berufen, machen was sie wollen. Und da gibt es viele sehr fähige, aber auch etliche, die nur noch Quatsch produzieren oder sich hauptberuflich über die neuesten Angebote bei Lidl und co. informieren. Kein Spaß.

    Weitere Beispiele: Der h-Index als Masse statt Klasse-Maßstab ist das Mittel der Unis für die erfolgsabhängige Bezahlung der Profs und fördert dadurch Riesenlehrstühle mit Ehrenautorschaft des Doktorvaters. Haben die Unis hier ein Auge drauf? Nö.

    Und quantitativ gute Lehre? Läuft unter ferner liefen.

    Dabei gehe ich vollkommen mit, dass es gut ist, dass die Politik da nicht oder nur sehr eingeschränkt reinreden darf. Aber dann müssten die Unis die Verantwortung auch annehmen und Qualität fordern. Und die größten Nulpen aus dem Betrieb entfernen.

    Leider ist dieses Spezialthema in den Medien wenig präsent. Pritlove, übernehmen Sie! 🙂

  14. Ein Gedanke zum Thema Teststrategie/Gesundheitsämter/Kontaktnachverfolgung und deren Leistungsfähigkeit, der mir bisher zu kurz gekommen ist: Die Kostenrechnung.

    Die Entscheidung über eine angeordnete Quarantäne ist auch eine finanzielle. Für angeordnete Quarantänen gibt es Entschädigungen nach §56 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) für Verdienstausfall.
    Wenn ich mir nun die gesamte Test- und Isolierungsstrategie anschaue, habe ich den Eindruck, dass es hier über weite Phasen der Pandemie ausschließlich um Kostenminimierung auf staatlicher Seite ging.

    Teststrategie: nur die kostengünstigen Fälle aufspüren.
    Schüler/Kita-Kinder testen? Nein, weil dann viele Erwachsene zuhause bleiben müssen: Eltern aller Mitschüler, Lehrer etc. Ein positiver Fall kann unter ungünstigen Umständen 30 Elternteile mit Verdienstausfall bedeuten.
    Berufstätige testen? Nur wenn es sich nicht verhindern lässt (=Symptome vorhanden).
    Senioren testen: ja gerne. Gibt ja keinen Verdienstausfall, die KPs sind meistens auch Senioren oder unterbezahlte Teilzeit-Care-Qorker und außerdem kann man das schön als “Fokus auf die vunerablen Gruppen” verkaufen. Genauso Menschen in “Massenunterkünften” (die arbeiten eh eher selten): Gerne etwas mehr testen, befeuert dann auch nebenbei die Resentiments gegen Randgruppen.

    Lässt es sich nicht verhindern, dass trotzdem ein Fall im Gesundheitsamt aufschlägt, so trifft dieser auf eine systematisch schlechte Ausstattung (personell und technisch), undurchsichtige und zeitraubende Prozesse (“Datenschutz” !1!!11!), um soviel wie möglich “freiwillige” Quarantäne erzeugen, bevor dann der kostspielige Brief mit der Quarantäneanweisung in die Post geht.

    Diese Rechnung wird uns noch teuer zu stehen kommen.

  15. Hallo zusammen,
    bei der NYT stoße ich auf eine Paywall – gibt es etwas ähnliches auch an anderer Stelle? Ich finde nur geschwurbel über die Impfstoffe :/

  16. Puh, mag sein, dass Herr Wiesendanger keine Ahnung hat was Virologie angeht und seine „Studie“ ist Unsinn, bei euch beiden wird es bei biologischen/medizinischen Themen leider auch schnell sehr düster.

    Ich habe mich z.B. gefragt welche „Unmengen an Viren“ wir so in uns haben, welche „erstmal kein Schaden sind“ und vor allem „teilweise wichtige Funktionen vornehmen“ (kommt mir nicht mit HSV).
    Da scheinen mir doch ganz grundsätzliche Dinge durcheinander zu geraten.

    Ausserdem würde mich eine Quelle zu Pavels Insider-Informationen zur Umsetzung der RKI-Richtlinien durch die Gesundheitsämter interessieren.

  17. Ich habe mich z.B. gefragt welche „Unmengen an Viren“ wir so in uns haben, welche „erstmal kein Schaden sind“ und vor allem „teilweise wichtige Funktionen vornehmen“ (kommt mir nicht mit HSV).
    Da scheinen mir doch ganz grundsätzliche Dinge durcheinander zu geraten.

    Viren sind allgegenwärtig und die meisten schaden uns nicht. 8% unseres Genoms ist viralen Ursprungs. Hier mal eine Quelle, die Dich vielleicht beschäftigen könnte.

    “Einiges spricht dafür, dass die chronischen Virusinfektionen ein Trainingslager für das Immunsystem sind.”

    https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/der-nutzen-von-viren-im-menschlichen-koerper-14528200.html

    • Wie kommst du darauf das uns die meisten Viren nicht schaden? Von den bekannten Viren, die menschliche Zellen befallen können, lösen die allermeisten auch Erkrankungen aus.
      Es gib ein paar bei denen man keine Erkrankung hat zuordnen können, in dem von dir verlinkten Artikel ist exakte eine Art genant.
      Im verlinkten Artikel wird auch richtig beschrieben das Viren aufgrund ihrer Replikationseigenschaften eben eine inhärente Problematik mitbringen.
      Wenn du auch Viren meinst die gar keine menschlichen Zellen befallen können (z.B. Phagen), weiß ich nicht wo der Zusammenhang zu den 8% Genoms viralem Ursprungs bestehen soll.

      Dein Zitat aus dem Artikel ist, wie im Artikel beschrieben eine unbelegte Theorie, und eben keine Tatsache wie im Podcast.

  18. Eine schöne Perspektive auf die kommenden Impfstoff-Lieferungen in diesem Jahr. Ein wichtiger Hinweis dazu: “Da ist ja noch nicht einmal der hoffentlich bevorstehende Angriff von CureVac enthalten. Jetzt ist es aber entscheidend: AstraZeneca und J&J gehören bald in Hausarztpraxen! Und BioNTech/Pfizer auch, in solche mit gewöhnlichen Gefrierschrank.”
    https://www.reddit.com/r/CoronavirusDACH/lsey9m/

  19. Zunächst ein ganz großes Lob: Ihr ermöglicht es mir alleine dadurch, dass ich euren wöchentlichen Potcast höre, informierter und auf einem aktuelleren Stand zu sein als mein Vater, der sich da eigentlich mehr Mühe gibt als ich aber einfach andere Formate benutzt. So kann ich mir eine eigene Meinung bilden und weiß, dass ich vorsichtig sein sollte, auch wenn ich das ab Montag nicht mehr kann aber dazu gleich nochmal. Ihr vorllbringt damit auf jeden Fall eine sehr sehr schöne Serviceleistung für die ich mich bedanken möchte!

    In den letzten folgen ist mir als Abiturient etwas aufgefallen: Ich weiß jetzt nicht, ob es in anderen Bundesländern anders ist aber neben den Grundschulkindern sind zumindest in NRW auch die Abschlussjahrgänge in der Schule. (Weswegen ich mich nicht mehr allá Tim einschließen kann und nur zum spazieren gehen raus gehen kann…)
    Normalerweise wäre dies sogar ohne Abstandsregeln möglich (wenn es nicht anders geht, was auch immer das heißen soll) vom Land aus. Bei mir in der Schule gehen Q1 und Q2 (also der Abiturjahrgang und der davor) für den gesamten Vormittagsunterricht zur Schule und haben dann eigentlich auch den Stundplanmäßigen Nachmittagsunterricht von Zuhause aus.
    Über uns Abschlussjahrgänge wird zwar was Lockerungen angeht nicht viel gesprochen in den Medien aber in den Beschlüssen der Länder sind wir eigentlich immer dabei.

    Was das für die Pandemielage bedeutet, dass auch Abschlussjahrgänge X Kontakte (mit Maske und zumindest bei mir auf Abstand) in Y Kursen muss ich hier nicht ausbustabieren, da wir ja in einem Alter sind indem wir “normal ansteckend” sind.
    Das es schon (zumindest in der nächstgelegenen Stadt) 3 Tage nach Wiederbeginn zu den ersten 20 Quarantäneverordnungen für Schüler gibt spricht für sich.

    Was diese Quarantäneverordnung für die Vorabiklausurenphase bedeutet ist noch Mal ne ganz andere Geschichte aber ich dachte, dass das ein Aspekt ist, den man auf jeden Fall nicht vergessen sollte.

    Ich freue mich schon auf die nächste Folge und liebe Grüße!

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