UKW022 Corona Weekly: Der oder das Virus

Diskussionen um die Wirksamkeit der Maßnahmen, der Bedeutung von R und eine Überraschung im Fall der Tracing Apps

Die Öffentlichkeit diskutiert fleißig über mögliche Lockerungsmaßnahmen und auch über die Aussagekraft der veröffentlichten Zahlen. Besonders die magische Zahl R steht im Fokus und es wurden Zweifel laut, ob denn die am 9., 16. und 23. März 2020 eingeführten Gegenmaßnahmen übernötig waren. Pavel hat mal nachgerechnet und es läßt sich bei einer genauen Betrachtung der Zahlen sagen: die Maßnahmen haben uns den Arsch gerettet. Außerdem geht es wild her in der Frage um die Tracing Apps. Die Bundesregierung hat sich jetzt überraschend gegen die letzte Woche noch favorisierte "zentrale Lösung" von PEPP-PT entschieden (die wir hier letzte Woche auch besprochen hatten) und setzt jetzt auf das Modell von Apple/Google bzw. DP3T. Wir diskutieren welche Änderungen es sich beim Contact Tracing Protokoll ergeben haben und vor welchen Herausforderungen die App-Entwickler jetzt stehen.

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Vergleichende zeitverschobene Darstellung der SARS-Cov-2 Infektionen Deutschland Stand 28.04.2020 (Pavel Mayer)

50 Gedanken zu „UKW022 Corona Weekly: Der oder das Virus

  1. Zur sprachlichen Seite von Corona: Ob der oder das Virus hängt vielleicht vom Dialekt oder Regiolekt ab. Das ist zumindest mein Gefühl und bei anderen Nomen genauso. Würde mich interesserien was den Süddeutschen, Schweizern und Österreichern umgangssprachlich leichter über die Lippen geht. Und als Kontrast bei Menschen, die nördlich von Bielefeld oder Hannover aufgewachsen sind. Der und das Sofa grüßen!

  2. Kurze Anmerkung/Anregung. Da ihr ja ein bisschen euren Fokus auf die Zahlen richtet, wäre es doch schön, dabei auch noch die Sozialmedizin mit in Betracht zu ziehen. Das ist ja schließlich der Aspekt der Medizin, der sich mit medizinische Belangen im Großen beschäftigt – siehe Virchow: „Die Medizin ist eine soziale Wissenschaft, und die Politik ist weiter nichts, als Medizin im Grossen“

    Hier noch ein Link dazu:

    https://www.public-health-covid19.de/de/

    Grüße ausm Süden

  3. Masken im Supermarkt verhindern bei euch Stress?

    Für mich ist das absolut Stress. Es ist mir extrem unangenehm, so ein Maske zu tragen. Dazu bekomme ich quasi Panik bei dem Gedanken daran, die Maske am selben Tag zum 2. mal aufsetzen zu müssen, ohne das Teil gewaschen zu haben…

    Was aber noch schlimmer ist, viele Menschen scheinen zu denken sie sind mit einem Stofflappen aus einem alten Bettlaken vor dem Mund unverwundbar und sie rücken einen wieder direkt auf die Pelle. Abstand halten? Ich hab doch jetzt eine Maske 11!!!

  4. Bezüglich Gamification:
    Schon eine grafische Anzeige der erfassten Anzahl an Kontakten über die Zeit und eine Summe der letzten 14 Tage würde mir schon reichen.
    Next Level: farbcodiert die Nähe der Kontakte in einem Raster (in der Nähe gewesen, war das noch ein Meter?, Schmusekurs) und deren Verrechnung in der Summe.
    Einerseits lässt das Ehrgeizig aufkommen und bezüglich der tatsächlichen Entfernung gibt es dann genügend Feedback zur Kalibrierung.

  5. Ein paar Punkte.
    Zunächst muss ich klarstellen das ich in der direkten Patientenversorgung, nicht im ÖGD tätig bin. Meine Einschätzung bezieht sich also auf die Lage in der direkten Patientenversorgung (Hausarzt/Klinik) und die Zusammenarbeit mit dem ÖGD, also Telefonate, Faxe und das was Kollegen so erzählen. Tut mir leid wenn das nicht deutlich geworden ist.
    Tim du hast recht mit deiner Vermutung das ich aus einem etwas weniger bis mittel Betroffenen Landkreis berichte (ca. 100 Fälle/100.000 Einwohner).

    Ich hatte eigentlich nicht den Eindruck das ich geschrieben habe das alles super ist, ich könnte wirklich viele Geschichten erzählen wo Dinge schief gelaufen sind. Ich bin aber dir Meinung das die von euch im letzten Podcast angesprochenen Punkte aktuell nicht die Kernprobleme sind bzw. bereits angegangen werden und das Verbesserungen schon spürbar werden.

    Was die Geschwindigkeit der Labore angeht hat das RKI übrigens letzte Woche einen Bericht veröffentlicht in dem auch die Geschwindigkeit der dort berichtenden Labore zu sehen ist.
    Da kann mach schön sehen wie sich die Zeit zwischen Probenentnahme und Testergebnis entwickelt hat. Nach einem Peak von über zwei Tagen Mitte bis Ende März lag man Mitte April wieder bei ca. 1,2 Tagen von Entnahme bis Ergebnis. Das deckt sich in etwa mit meinen Erfahrungen.
    Meine persönliche Einschätzung ist, das man weit unter einen Tag nur mit viel Aufwand (vor allem in der Logistik) kommen wird.

    Zustimmen möchte ich der Analyse das es vor allem an koordiniertem Vorgehen fehlt. Hier fehlt es in meinen Augen an Koordination von Bund und Ländern, es gibt schon viele Lösungen die werden aber soweit ich es sehen kann nicht koordiniert Beschafft.
    Berlin ist da sogar ein positives Beispiel, da sollen wohl alle Gesundheitsämter Einheitlich SORMAS zum contact tracing nutzen. Zumindest in der Theorie eine gute Lösung die auch direkt an Labore und RKI angebunden werden könnte. In den anderen Bundesländern ist das Kraut und Rüben und die Kontaktverfolgung über Landkreisgrenzen hinweg unnötig aufwendig.
    Gibt noch mehr Beispiele in denen Anbieter ihre Software schnell an die aktuelle Lage angepasst haben, aber jedes Gesundheitsamt einzeln vor der Frage steht ob das jetzt genutzt werden soll oder nicht.

  6. Es ist interessant zu sehen wieviel Verwirrung auch auf Seiten der Journalisten im Bezug auf R_eff existiert. Im heutigen Pressebriefing des RKI wurde es bereits zum Running Gag. Zudem wurde extra der für R zuständige Wissenschaftler in die Pressekonferenz eingeladen.
    Eine Episode zu R gibt es hier zu sehen: https://youtu.be/miEvuY-vqXc?t=2684

  7. Der Graph oben ist ohne Legende und ohne Beschriftung der y-Achse leider recht unintuitiv. Die fünf Kurven kurz rechts unmissverständlich zu markieren (Legende) und auf der y-Achse jeweils R mit Werten 0-5 und die Neuinfektionen in 1000 (oder ähnlich, zum Beispiel zwei Plots übereinander mit shared x-Achse) hätte mir geholfen sofort einen Durchblick zu bekommen.

    Eure Darstellung im Podcast ist super und die Erkenntnisse sind auf jeden Fall interessant. Danke dafür!

    • /sign
      Eine Legende und ordentliche Axenbeschriftungen fehlen defintiv, bitte noch schnell reineditieren 🙂
      (komme mir schon vor wie Reviewer Nr. 3^^)

      Danke für euren Podcast!!

  8. Meiner Intuition nach wird für einen Computervirus das Maskulinum verwendet, für Krankheitsviren das Neutrum. Um mal noch eine unnötige Meinung in den Ring zu werfen.

  9. Schön, daß es “das Virus” heisst und nicht “der Virus”, weil das in der Wissenschaft “aus dem Lateinischen” so übernommen wird. Aber – Virus-Genus hin oder her – heisst es nicht “aus dem Latein”?!

  10. Toll das hier jetzt so viele Sendungen erscheinen, aber diese Zahlenfixierung inkl. Amateur-Prognosen finde ich nicht besonders hilfreich. Gar nichts dagegen sowas zu tun, es ist ein wichtiger Teil der Analyse und auch nichts gegen den Gast, aber ich weiß nicht, was das in dieser Ausführlichkeit jemandem bringen soll. Als kurze Rubrik “Pavels Zahlen und Prognosen” am Anfang einer Sendung die sich mit ganz verschiedenen Aspekten beschäftigt, wäre es imho genau richtig.

    • Nun, wir versuchen eben die in der öffentlichen Diskussion genannten Zahlenkomplexe einzuordnen so gut es geht. Und da es eben von Komplexität so strotzt, ist das nicht mal eben in fünf Minuten abzufeiern. Das ist dann eher die Aufgabe der Tagesschau, aber das ist nicht das Angebot, was wir hier machen.

  11. Die von Euch verlinkte “Data-Driven Prediction of COVID-19 Pandemic End Dates” verstehe ich nicht.
    Was soll “End Date” bedeuten? Die Pandemie ist dann zu Ende? Wie? Was? Wie soll das funktionieren? Ist dann der/das Virus (die Vira?) verschwunden?
    Die guten Leute von der Uni in Singapur legen offenbar eine Funktion über die Pandemiedaten und fitten die so, dass es zu dem jeweiligen Land irgendwie passt. Diese Funktion bringt dann so Kennwerte wie 97% oder 100% mit. Es mag ja sein, dass es Zusammenhänge gibt, in denen diese 97%/100% Sinn ergeben. Bei der aktuellen Pandemie ergeben sie, denke ich, keinen Sinn. Was soll 97% bedeuten? 97% von was? Solche Werte könnten eine Bedeutung haben, wenn unsere Strategie die “Durchseuchung” (schreckliches Wort!) der Bevölkerung wäre. Bei 100% hätten wir dann Herdenimmunität erreicht und die logistische Funktion würde auslaufen.
    Diese Strategie verfolgen wir jedoch explizit nicht. Wir begrenzen durch unsere Maßnahmen die Zahl der Infizierten auf wenige Prozent der Bevölkerung und warten/hoffen auf Medikamente und Impfstoffe. um die Herdenimmunität auf diese Weise zu erreichen. Die Prozentangaben, die die mathematische Funktion mitbringt, verlieren, denke ich, bei einer solchen Strategie ihre Anwendungsberechtigung.
    Oder habe ich hier Wichtiges völlig falsch verstanden? Bitte helft mir aus meiner Verwirrung herauszufinden. Danke!

  12. Ich muss sagen, ich war auch sehr erstaunt ob Pavels Prognosen “dannunddann ist es zu Ende”.

    Das mag ja so sein, wenn man nur auf seine statistischen Kurven blickt, aber für den Rest der Bevölkerung, der nicht Statistiker ist, ist die Pandemie effektiv erst “zu Ende”, wenn das alltägliche Leben wieder ohne nennenswerte Einschränkungen läuft.

    Geschlossene Schulen und geschlossene Kindergärten sind keine Normalität. Ein Verbot für praktisch alle Veranstaltungen mit in irgendeiner Form dicht gedrängten Leuten (da müssen wir nicht mal gleich übers Oktoberfest oder das Wacken sprechen, für jede dieser Großveranstaltungen gibt es tausende kleinere, bei denen Menschen trotzdem auf engem Raum beisammen sind) ist keine Normalität. Die Ungewissheit bezüglich Urlaub ist keine Normalität. Home-Office 5 Tage die Woche ist für die meisten Büromenschen auch keine Normalität. Schlussendlich: Masken tragen im Supermarkt ist keine Normalität.

    Bei ein paar der Einschränkungen ist zugegebenermaßen eine gewisse Gewöhnung möglich, d.h. es ist nicht unbedingt erforderlich, dass sich die Realität wieder komplett zum vorigen Zustand zurück ändert, um eine gefühlte “Normalität” herzustellen. Der Anstieg beim Home-Office ist dafür ein gutes Beispiel. Aber für den größten Teil dieser Dinge gilt das nicht. An geschlossene Kindergärten wird sich niemand, der Kinder hat, “gewöhnen”, das ist schlicht ausgeschlossen.

    Damit die Pandemie “beendet” ist, müssen wir effektiv diese ganzen Einschränkungen – die der einzige Grund sind, warum die Kurven der Statistiken nach unten und nicht nach oben zeigen – aufheben können, und die Bevölkerung muss hinreichend viel Vertrauen haben, sich keine Infektion zuzuziehen, dass die Menschen auch diese ganzen aktuell ausgesetzten Tätigkeiten wirklich wieder machen wollen. Das muss schon ein ganz enorm erfolgreich funktionierendes Containment sein, das da innerhalb der nächsten Wochen aufgefahren werden soll, damit wir wirklich trotz weiterhin vorhandener Virengefahr und der fortgesetzten Absenz einer breit verfügbaren Therapie den Großteil der genannten Einschränkungen vollumfänglich fallen lassen können (und nein, ein Tag in der Schule pro Woche statt täglich zählt auch nicht als Normalität; deswegen ist “vollumfänglich” wichtig!). Und selbst, wenn dieses Kunststück gelingen sollte, wird die Vertrauensbildung und Wiedererlangung einer Form von Sicherheit noch Monate dauern, wenn nicht sogar bis zu dem Zeitpunkt, an dem man wirklich in der Lage ist, sich entweder gegen das Virus zu impfen, oder alternativ das Virus durch Herdenimmunität effektiv ausgerottet ist.

    Womöglich sehe ich ja einfach nur ein bisschen zu schwarz – ich tendiere eh generell meist eher zu einer zu pessimistischen Einschätzung. Von daher lasse ich mich gern in den nächsten Wochen und Monaten positiv überraschen. Aber konkret von “in ein paar Wochen ist Corona durch” zu sprechen scheint mir dann doch egal wie betrachtet doch ein bisschen zu optimistisch…

  13. Hallo,

    danke für Euren tollen Podcast. Mich würde noch interessieren, wie gesichert die Zahl ‚1000 Neuinfektionen/Tag um ein Tracking zu realisieren‘ ist. In der Lage der Nation wurde nämlich von maximal 200 Neuinfektionen/Tag gesprochen.

    Vielen Dank

    Michael

    • 200 Fälle als gerade noch von den Gesundheitsämtern nachverfolgbar, hatte Virologe/Epidemiologe Kekulé schon genannt, als wir gerade ein paar Tage lang zweistellige Fallzahlen hatten. Er meinte: möglichst schnell etwas zu unternehmen wäre dringend geboten. Es wurde stattdessen gewartet, bis es etliche Tausend Fälle waren. Er hat die 1000 Fälle kürzlich auch das erste mal erwähnt (es soll wohl mitlerweile Verstärkung bei den Fallverfolgern der Gesundheitsämter geben), meinte aber, einige Hundert Fälle wäre realistischer.
      Im Gegensatz zu den anderen prominent sich äussernden Virologen hat der Kekulé auch schon an Pandemieplänen gearbeitet, ist da also tiefer in der Materie drin als die anderen Virologen, die wohl eher ins Reagenzglas schauen (und z.T. mit dem Virus per Du sind).

  14. Hat jemand eine Anleitung zum Basteln eines Aluhutes für ein Smartphone? Freiwilligkeit gibt es bei meinem Arbeitgeber nicht, denn dieser will die Corona App auf jeden Diensthandy installieren. Gerade nach dem Artikel von Heise Corona-Tracing-Apps: Freiwilligkeit bedeutet nicht Freiwilligkeit | heise online
    könnte ich nur … für diesen Zwang Und ich glaube meine Firma wird da kein Einzelfall bleiben

  15. das Argument versteh ich nicht. Die Massnahmen zeigen keine Veraenderung in irgendeiner
    der Kurven, trotzdem soll man jetzt daran sehen, dass sie wirksam waren ??
    Ich meine, alle Kurven sind alle schoen glatt, kein Knick oder so.
    Die Massnahmen koennten zu irgendeinem anderen Zeitpunkt erfolgt sein und ich saehe keine Aenderung.

    • Die entscheidende Kurve ist die pinke Kurve unten. Der siehst du exakt die Wirkung der Maßnahmen an: die Zahl der Neuinfektionen pro Tag geht spürbar zurück. Das ist die unmittelbare Wirkung der Maßnahmen zum Zeitpunkt ihrer Verkündung bzw. dem Beginn ihrer Umsetzung.

  16. Pavel, leider hast du hier wieder unvorsichtig statistische Falschheiten verbreitet.
    Wie schon an anderer Stelle erläutert, haben wir keinen logistischen Prozess, wreil das Wachstum gerade nicht durch die Fallzahlen begrenzt wird, und darum wird es auch kein Plateau geben! Bitte lass doch einfach jedwede Forecasts oder versieh sie mit dem Vorsatz: unter Annahme eines sehr falschen Modells und ohne die wissenschaftlich üblichen Verfahren zur Unsicherheitsberechnung (das Mindeste wär Bootstrapping).

    Natürlich kann man sich das Zeitfenster immer so aussuchen, dass da ein Sigmoid irgendwie passt, aber das ist wirklich unseriös.

    • Zu Beginn der ersten Maßnahme war R bei etwa 1.5-1.8. Nach der dritten Maßnahme war R bei unter 1.
      Analog dazu die Kurve des Anstiegs der Infektionen pro Tag (die ist etwas schwer zu verstehen, wenn sie über der Nulllinie ist, bekommst du jeden Tag mehr neue Infektionen hinzu als du am Vortag hinzubekommen hast, wenn sie unter der Nulllinie ist, hast du jeden Tag etwas weniger neue Infektionen hinzubekommen als am Vortag). Das Ding geht aufwärts vor der ersten Maßnahme, d.h. es kommen nicht nur täglich mehr Infektionen als am Vortag hinzu, sondern diese Zunahme steigt auch noch jeden Tag an. Exakt das ist, was man exponentielles Wachstum nennt. Mit der ersten Maßnahme fängt das an nach unten zu biegen, d.h. die Zunahme an neuen Infektionen gegenüber dem Vortag ist immer noch da, aber sie wird jeden Tag kleiner. Wir haben aber strenggenommen immer noch exponentielles Wachstum, und zwar so lange, bis diese Kurve den Nulldurchgang hat, was etwa bei Beginn der dritten Maßnahme der Fall ist. Null ist der steady state, d.h. eine exakt gleiche Anzahl neuer Infektionen jeden Tag und keine Zu- oder Abnahme bei dieser Zahl. Erst ab genau diesem Zeitpunkt herrscht kein exponentielles Wachstum mehr. Unter Null, was kurz nach der dritten Maßnahme erreicht ist, ist man dann an dem Punkt, an dem die Zahl neuer Infektionen jeden Tag weniger wird. Das ist, wo wir jetzt gerade sind (bzw. genaugenommen vor 10 Tagen waren und hoffentlich immer noch sind, auch nachdem diverse Lockerungen stattgefunden haben).

      Also ich finde, die Wirkung der Maßnahmen ist himmelschreiend offensichtlich in diesen Kurven. Lass dich nicht davon täuschen, dass es irgendwie so aussieht, als wären die “natürlicherweise” so verlaufen, weil sie so schick glatt aussehen – das ist ein psychologischer Effekt, den statistische Kurven oft haben. Hätte es keine Kontakteinschränkungen gegeben, sähe die Kurve auch wunderschön glatt aus – nur halt ohne den Nulldurchgang und damit ohne den Austritt aus der exponentiellen Wachstumsphase.

  17. https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.24.20078717v1
    Full lockdown policies in Western Europe countries have no evident
    impacts on the COVID-19 epidemic.

    Comparing the trajectory
    of the epidemic before and after the lockdown, we
    find no evidence of any discontinuity in the growth
    rate, doubling time, and reproduction number trends.
    Extrapolating pre-lockdown growth rate trends, we
    provide estimates of the death toll in the absence of
    any lockdown policies, and show that these strategies
    might not have saved any life in western Europe.

    ———————————————————————–

    Der vollständige Lockdown in westeuropäischen
    Ländern hatte keine ersichtlichen
    Auswirkungen auf die COVID-19-Epidemie.

    Ein Vergleich der Kurven der Epidemie vor und nach dem
    Lockdown, ergibt keine Hinweise auf eine Diskontinuität
    im Wachstum der Raten-, Verdopplungszeiten- und Reproduktionszahlentrends.
    Wir extrapolieren die Wachstumsraten-Trends vor dem
    Lockdown und schätzen die Zahl der Todesopfer in
    Abwesenheit von Lockdowns und zeigen, dass diese
    Lockdown-Strategien wohl kein Leben in Westeuropa
    gerettet haben.

    • Kannst du jetzt bitte noch erklären, wie diese Studie es schafft, das Fehlen einer alternativen Realität zu kompensieren, in der keinerlei Kontaktreduktionsmaßnahmen verordnet worden sind und in der man hätte beobachten können, ob die Reduktion von R auf ca. 1,5 (die vor den verordneten Maßnahmen stattgefunden hat, das bezweifelt ja überhaupt niemand, und es ist ja auch erklärbar durch bereits abgesagte Großveranstaltungen und beginnende Verhaltensänderungen in der Bevölkerung) sich ohne weitere Kontaktreduktionen auch auf deutlich unter 1,0 fortgesetzt hätte?

      Es ist mir nämlich schleierhaft, wie das funktionieren soll, also wie man das nachweisen will. Wir haben nun mal nur die eine Realität, in der verordnete Kontaktreduktion stattgefunden hat, und die Kausalkette “weniger Kontakte führt zu weniger Verbreitung” ist so unglaublich offensichtlich und logisch zwingend, dass es einer ganz schön guten Argumentationskette bedarf, um ernsthaft zu behaupten, dass das aus “magischen” (oder whatever, die Studie schweigt sich über den Wirkmechanismus, den sie unterstellt, ja leider aus) Gründen auch ohne diese Kontaktreduktionen exakt genau so gekommen wäre. Und ich seh die in diesem Preprint nicht…aber womöglich hab ich’s auch einfach nicht verstanden, daher die Bitte um nähere Erklärung.

  18. Was ich mich bei der Tracing App immer frage: Wenn es so schnell gehen soll, wieso wird keine Kooperation mit anderen Ländern gemacht, oder zumindest deren App als Ausgangspunkt für eigene Entwicklungen genommen? Die App von Österreich scheint ja prinzipiell geeignet zu sein, auch vom Datenschutz her.
    Und wie austauschbar sind die Daten verschiedener Länder, nachdem ja Landesgrenzen mal überschritten werden?

    • Ein nicht unerheblicher Teil der App ist die Integration mit dem nationalen Gesundheitswesen. Das braucht zunächst die Aufmerksamkeit.

      Zumindest die deutsche App wird Open Source und wie ich höre unter einer sehr liberalen Lizenz. Künftige Entwicklungen könnten also schnell übernommen werden und ich denke wir werden auch bald internationale Distribution der Meldungen sehen.

      • Wie sieht es eigentlich mit der Lizenz der App anderer Länder aus? Auch Open Source? Es beschleicht mich das Gefühl, dass das Rad 100x neu erfunden wird. “Not invented here” bei der Arbeit.

  19. Was die netten, bunten Kurven angeht, kann man damit nur etwas anfangen, wenn die Berechnungsgrundlage davon mit angegeben ist, man die schriftlich vorliegen hat und nachlesen kann (gerne plus Quellcode der Auswertung).

    Sich irgendwelche Zusammenhänge aus dem gesprochenen Wort reverse-engineeren zu müssen, ist mindestens genauso eine Zumutung, wie sich beim RKI die (falls überhaupt vorhandenen) Daten aus html, oder noch besser, pdf, heraus popeln zu müssen.

    Zu sagen, man könne bessere Berechnungen als das RKI vorweisen, halte ich für eine gewagte Aussage. Aber was die Datenbereitstellung angeht, und den Dienstweg (Daten kommen per Brieftaube oder per Pferde-Postkutsche zum RKI?), frage ich mich, ob man die doch wohl schon seit mindestens zwei Jahrzehnten laufende Diskussion zu Open Data nicht mitbekommen hat dort.

    • Wir haben nie gesagt, dass wir „bessere“ Auswertungen machen. Wir versuchen nur nachzuvollziehen, was berichtet wird, in dem wir eigene Analysen anstellen. Das finde ich auch legitim.

  20. Ist die Diskussion was man macht wenn die App Alarm schlägt nicht müßig?Spätestens wenn das positive Testergebnis zurückkommt ist es mit der Anonymität vollends vorbei und man wird vor dem örtlichen Gesundheitsamt eh die Hosen runterlassen müssen und diverse Fragebögen zum Ausfüllen bekommen damit das Amt die Infektionskette nachvollziehen kann.

    • Einerseits muss der Test ja nicht positiv sein und andererseits ging es in der Diskussion ja immer darum, ob durch das ganze System automatisch Beziehungsnetzwerke aufgedeckt werden können. Das ist durch das dezentrale System zunächst mal verhindert worden.

  21. ————————————————————
    Anders Tegnell , nationalen Gesundheitsbehörde, Schweden :
    meldet Rt <1 seit einigen Tagen
    —————————————————————-
    hier der OXC-Massnahmenindex und die Fallzahlen :
    http://magictour.free.fr/oxcg3a.GIF
    Es passt nicht zusammen.
    Wir tappen im dunkeln, welche Massnahmen wieviel helfen, falls ueberhaupt.
    Kontakt-Verfolgung + Isolierung von Faellen hilft.
    Angst hilft.
    Schulschliessungen ? Kontaktverbot ? Grenzen schliessen ? Verkehrseinschraenkungen ?
    Desinfektionen ? Haende Waschen ? Abstand halten ? Masken ? Maul halten ?
    Testen ? Krankheit melden ? Andere Viren ? Immunitaet ?
    Alles unklar.
    —————————————————————-

  22. Startie, wenn du nicht wuesstest, wann welche Massnahmen erfolgten
    und nur die Kurven siehst, kannst du dann die Zeiten der Massnahmen auch nur erahnen ? Sollen wir das mal an den entsprechenden Kurven in anderen Laendern testen ?

  23. In Schweden mit seinen sehr moderaten Massnahmen (bzw. es waren eher Hinweise als Massnahmen) hat man das alles viel besser gemacht:

    https://offloop.net/covid19/?default=Germany;Sweden

    ….könnte man denken, so lange man nicht auf “By population” klickt.
    Und plötzlich sieht die Welt ganz anders aus!

    Deswegen sind die jetzt auch bischen strenger geworden (“Am 27. März 2020 verschärfte Schweden sein Veranstaltungsverbot.” – Wikipedia)

  24. 28.04.20, 09:09
    “Es könnte sein, dass gewisse Personen, die einen Erkältungsvirus vor ein bis zwei
    Jahren hatten, auf eine bisher unbemerkte Art und Weise geschützt sind.”
    Drosten berichtet von einer Preprint-Studie aus China, die gerade erst publiziert worden
    sei und in der Haushalte mit Infizierten intensiv beobachtet wurden. Dabei sei die
    sogenannte “Tag-Rate”, die Anzahl der Menschen, die sich bei Infizierten ansteckten,
    sehr niedrig gewesen. “Die liegt bei 12, 13 Prozent”, s
    ——————————————————————————————
    Virologist Drosten Safe: Evidence of Background Immunity to Coronavirus
    By Iv Luin – April 27, 2020
    Christian Drosten believes that mild or asymptomatic courses of the disease may
    be associated with previous colds caused by coronaviruses.
    Apr24, study by a Charité colleague,
    34% had reactive T cells for SARS2-parts
    ————————————————————–

    also moeglicherweise sind die Mittel,Nord,Ost Europaeischen
    +Kalifornischen Erkaeltungs-Coronaviren SARS2-aehnlicher
    als die in Bergamo und New York
    (und Paris und Madrid und London)

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