UKW026 Corona: Quarano

Digitale Optimierung der Kontaktverfolgung und Quarantäne-Betreuung der Gesundheitsämter in Deutschland

Im Rahmen des "Wir vs. Virus" Hackathons der Bundesregierung sind einige interessante Projekte enstanden, manche davon werden jetzt auch produktiv umgesetzt, um die Bekämpfung der COVID-19 Pandemie zu unterstützen. Eines dieser Projekte ist Quarano, eine einfache Softwarelösung, die Gesundheitsämter dabei unterstützen soll, die Betreuung von unter Quarantäne gestellte Personen zu vereinfachen und dabei die Gesundheitsämter im kritischen und personalintensiven Bereich der Kontaktverfolgung zu unterstützen. Quarano ist ein Open Source System. Ich spreche mit Oliver Drotbohm, einem der Entwickler des Systems darüber wie das Projekt zustande kam, welche Ziele hier verfolgt werden und welche Erkenntnisse er über die Arbeit den Zustand der Digitalisierung der Gesundheitsämter gewinnen konnte.

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5 Gedanken zu „UKW026 Corona: Quarano

  1. Ich bin sehr erstaunt das weder Tim noch Oliver SORMAS kennen (https://www.sormas-oegd.de/).
    SORMAS bietet alle die Funktionen die Quarano können soll.
    – es wird vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung entwickelt
    – es ist Open Source
    – es ist fertig
    – es wurde seit Jahren in Afrika gegen Ebola eingesetzt
    – es wird gerade für den deutschen ÖGD angepasst
    – es wurde schon erfolgreich in Gesundheitsämtern getestet
    – es wird in Niedersachsen und Berlin bereits flächendeckend ausgerollt
    – es wird bereits eine Schnittstelle zu Survstat und Laboren entwickelt

    Ich habe die Software selbst nicht benutzt und weiß nicht was sie taugt, aber auf dem Papier bietet SORMAS jetzt schon alles was da geschlafen werden soll, mir ist unklar was eine Neuentwicklung da jetzt zusätzlich bieten soll.

    Für mich ist die Tatsache das das Gesundheitsamt Mannheim jetzt eine eigene Lösung entwickeln lässt wirklich sinnbildlich für alles was schiefläuft im ÖGD, keine koordinierte Beschaffung von Software, sondern jeder macht was er will und auch gern doppelt und dreifach.
    Es wäre dringend geboten die Softwarelösungen in den Gesundheitsämtern zu vereinheitlichen und interoperabel zu gestallten.

    • Hallo Julian, vielen Dank für deinen Hinweis. Mir war die Software in der Tat bis dato nicht bekannt, unserem Team allerdings nach meiner Nachfrage schon. Es gibt recht offensichtlichen Funktionsoverlap, jedoch wird – wenn man sich den Demozugang von SORMAS anschaut – recht schnell deutlich, dass die sich funktionale Breite des Systems (verständlicherweise) auch im UI niederschlägt. Ich denke, das ist in diesem Fall Bug und Feature gleichzeitig, weil es natürlich immer angenehmer ist, ein Stück Software zu verwenden, das den aktuell anliegenden Prozess dezidierter abbildet und man nicht kontinuierlich viele Controls für Features sieht, die man nicht nutzt.

      Der Eindruck, Mannheim ließe sich eine Lösung entwickeln ist nicht ganz korrekt. Es gibt aktuell kein SORMAS in Mannheim und es stellt sich wohl hauptsächlich die Frage, wie man möglichst zeitnah an eine Lösung für ein Problem kommt, das sich aktuell stellt. Es gibt aber definitiv keine Entscheidung “Ah, komm, lass uns mal für teuer Geld was spezielles bauen.”. Ich selbst bin allerdings in diese speziellen Prozesse nicht wirklich weiter involviert.

      Mit der Brille meines Kompetenzbereiches sieht es so aus, als gäbe es in SORMAS auch bereits einiges an Technical Debt in Bezug auf die Aktualität der verwendeten Programmiermodelle. Ich weiß, dass das kein Wert an sich ist. Jedoch steht und fallen darüber ja auch u.a. Fragen der Betreibbarkeit, inwieweit man Leute findet, die Interesse daran haben, daran mitzuarbeiten usw.

      Abschließend: Interoperabilität ist keine Frage davon ob alle die gleiche Software verwenden, sondern inwieweit die sich untereinander verstehen, brauchbare Schnittstellen usw.

  2. Hey, vielen Dank für deine Antwort!

    Zunächst ich habe natürlich keine Aktien in SORMAS und wenn ich deren Werbung auf den Leim gegangen bin lasse ich mich gern drauf hinweisen.
    Der Grund weshalb ich auf SORMAS hingewiesen habe ist, dass sich damit in meinen Augen für eure Software einiges ändert. Es geht nicht mehr darum besser als eine Exceltabelle und ein Blatt Papier zu sein, sondern eine mindestens vergleichbare Alternative zu SORMAS anzubieten, im besten Fall wirkliche Vorteile zu haben.
    Vor dem Hintergrund das SORMAS schon eingesetzt wird und wohl überzeugend genug war das Nds und Berlin es flächendeckend einsetzen wollen.
    Außerdem erscheinen sie ausgesprochen Ambitioniert, Prof. Gérard Krause hat die Behauptung aufgestellt sie könnten in acht Wochen SORMAS auf alle Gesundheitsämter des Landes ausrollen und Schulungen durchführen, vorausgesetzt sie bekämen den Auftrag dazu.

    Mannheim muss sich in meinen Augen schon fragen lassen weshalb sie als bisher einziges Gesundheitsamt des Landes auf eure Lösung setzen, da sollten sie schon gute Gründe haben.
    Ich sehe aber das Problem eher darin das der Leiter eines Gesundheitsamtes so etwas selbst entscheiden kann/muss. Hier sollten die Länder Verantwortung übernehmen, einige machen das ja auch.
    Gerade vor dem Hintergrund das dieses Jahr eigentlich DEMIS implementiert werden sollte. Mal sehen ob das Projekt durch Corona verzögert wird. SORMAS möchte kompatibel zu DEMIS sein.
    BTW möchte Baden-Würtemberg nicht auch SORMAS einführen?

    Für Interoperabilität müsste man sich aber erstmal auf diese Schnittstellen einigen, angeblich wäre mit einer zentralen SORMAS-Lösung, in 8 Wochen landkreisübergreifende Fallverfolgung möglich.

    Zu reinen Programmieraspekten kann ich mich aber kaum äussern, da habe ich fast keine Kompetenz.
    Daher lasse ich mich hier gern korrigieren.

  3. Danke für die interessante Folge und die Initiative zur Entwicklung des Tools!

    Allerdings ging es mir ganz ähnlich wie JulianTifflor, ich war auch sehr erstaunt das SORMAS im Podcast nicht erwähnt wird. SORMAS wird wohl momentan im Gesundheitsamt Berlin Mitte eingeführt und dann möglicherweise auf Berlin ausgeweitet werden. Ein paar weitere Informationen dazu gibt es in folgendem Podcast:
    https://oegd.gmp-podcast.de/podcast/oegd030/

    Tim, mein Eindruck ist, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst in den UKW-Corona Podcasts manchmal etwas flapsig, vereinfacht und vorurteilsbehaftet dargestellt wird. Sowas passiert natürlich sehr schnell wenn man wenig über diesen weiß. Generell wird momentan in den Medien sehr viel über Gesundheitsämter gesprochen, aber recht wenig mit diesen. Ich würde mir daher eine UKW Folge zum ‘Alltag im Gesundheitsamt’ wünschen, welche mal deren Arbeitsweisen, Umstände und Perspektive beleuchtet. Einfach ist es momentan sicher nicht einen geeigneten Gesprächspartner dafür zu finden, aber wünschen kann man sich das ja mal.

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