UKW048 Corona Weekly: Vielleicht gibt’s ja ein Wunder

Das Update zu Zahlen, Dunkelziffern und digitalen Fragen in der Corona-Krise

Die Bundesregierung und die Bundesländer haben sich auf neue Maßnahmen geeinigt. Also zumindest tun sie so, denn das, was verabschiedet wurde scheint kein besonders scharfes Schwert im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu sein. So stellt sich die Lage zumindest uns dar, denn wir blicken auf die Ergebnisse des "Lockdown Light" im November und es ist klar, dass nicht viel erreicht wurde. Zwar stagnieren die Zahlen, doch sind sie absolut noch viel zu hoch und führen derzeit zu sehr hohen Sterbezahlen. Weihnachten und Silvester können dieses zarte Kartenhaus weiter zum Einstürzen bringen und wir sind skeptisch, dass sich die Gesamtlage unter diesen Bedingungen bis Ende Februar nennenswert verbessern wird. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und wir sprechen über den neuen Impfstoff der Oxford University, der unter etwas merkwürdigen Bedingungen in seinen Phase III Test gegangen ist und dem jetzt bei Veröffentlichung der Zwischenergebnisse eine ganz brauchbare Wirkung nachgesagt wird.

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Shownotes:
R nach Neuinfektionen und Todesfällen in Deutschland am 27. November 2020 (Pavel Mayer)

40 Gedanken zu „UKW048 Corona Weekly: Vielleicht gibt’s ja ein Wunder

  1. Gibt es eine Spendenaktion für ein Glas Wasser pro Aufnahme für Pavel? 😉

    Kein Vorwurf, gewisse “Mundgeräusche” sind je nach Person ja sicher auch nur schwer oder nicht vermeidbar, aber vielleicht würden ein paar Schlücke Wasser über die Aufnahmesituation verteilt ja etwas helfen 😉

  2. Die Todeszahlen sind so krass, weil es einen Haufen Infektionen in Seniotenheimen oder in Krankenhäusern gibt.
    In Berlin wird das immer schlimmer:
    https://www.berlin.de/corona/lagebericht/desktop/corona.html#altersgruppen

    Das wird doch signifikant geringer, wenn das Personal geimpft ist. Das ist bis Februar ganz sicher schon passiert. Na klar, kommen dann noch Besucher rein, aber auch das ist doch wieder anteilig geringer. Je länger der Kontakt ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit.
    Und wenn die Risikogruppen durchgeimpft sind, ist es kein Problem mehr im Krankenhaus…

    Und jetzt die interessante Rechnung, was passiert, wenn 10% der Bevölkerung geimpft sind? Auch das senkt doch das R schon. Rein rechnerisch bei Gleichverteilung der Geimpften sollte es doch dann ein Faktor von 0,9 sein, wenn die richtigen Leute geimpft sind, also Superspread-Kandidaten, also Personen mit viel Kontakten, vielleicht noch viel stärker.
    Also sind es von da an doch von da an wochenlang R-Werte von 0,9 (ohne weitere Einflüsse), und Ende März sind es vielleicht schon 20% geimpfte? Das sind 16 Mio Deutsche, das schaffen wir doch bei Grippeschutzimpfung in wenigen Wochen?! (jaja, wir müssen 2x)
    Oder mache ich hier einen Rechenfehler bezüglich R?

    • Darüber habe ich in letzter Zeit auch öfter nachgedacht und fände eine Diskussion darüber im Podcast sehr interessant – also die Frage, welcher Prozentsatz an geimpfter Bevölkerung dürfte wie stark die Infektionen/R-Wert senken.

      Wieviel Immunität in der Bevölkerung bräuchte man wohl um mit Pre-Lockdown-Light-Maßnahmen eine komfortable Situation wie im Sommer auch im Winter/Frühjahr erreichen zu können?

      Und daran anschließend: sobald 2021 zahlenmäßig eine Situation wie im Sommer 2020 erreicht ist sollte die Pandemie im Wesentlichen gegessen sein, oder? Bis zum Herbst 2021 werden doch so viele immun sein dass bereits wenige Maßnahmen wie Maske tragen und Großveranstaltungen verbieten ausreichen sollten um die Inzidenz minimal zu halten?

    • Das kommt vermutlich auf den Impfstoff an. Ein Aspekt, der in der Diskussion m.E. viel zu kurz kommt, ist die Frage ob der Impfstoff auch eine Infektion verhindert oder nur die Erkrankung. Was bei mir aus dem Coronavirus-Update mit Drosten und Ciesek hängen geblieben ist, dass der Biontech Impfstoff und andere RNA-Impfstoffe vermutlich nur gegen die Erkrankung schützen, nicht aber gegen die Infektion selbst. D.h. es schützt nur die geimpfte Person, sie erkrankt nicht, kann das Virus aber weitergeben. Der Effekt für die Eindämmung ist also 0 oder sogar kontraproduktiv. Es gibt aber dazu anscheinend noch keine Studien. Das muss man wohl noch abwarten. Anders sieht das wohl beim Oxford-Impfstoff aus, der soll auch eine Verbreitung eindämmen. Aber wie gesagt, das ist lediglich mein Halbwissen, auch im Podcast klang das alles noch nicht sicher.

      Diese Unsicherheit wird von Politik und Medien aber kaum transportiert. Ich habe lediglich im Tagesschau-Ticker eine Meldung über eine Stellungnahme des Patientenschützers gelesen, die ansonsten anscheinend nicht viel Aufmerksamkeit bekommen hat: http://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-samstag-177.html#Patientenschuetzer-kritisieren-Merkels-Impfplaene

      Ich habe ohnehin die Befürchtung, dass wenn der Impfstoff erstmal draußen ist, der Druck auf weitere Lockerungen extrem wird und auch die Menschen sich weniger an die Regeln halten.

      Wenn dann der Impfstoff überhaupt nicht wie erwartet zur Herdenimmunität beiträgt, aber alle anfangen zu lockern, haben wir direkt die dritte Welle, bei der vor allem die Risikogruppen leidtragen, die es nicht schaffen sich rechtzeitig impfen zu lassen oder diejenigen, die noch gar nicht wissen, dass sie zu einer Risikogruppe gehören.

      Ich hoffe natürlich dass auch der Biontech Impfstoff auch vor Infektionen schützt oder mindestens die Viruslast reduziert. Und dass wir im anderen Fall keine Eitelkeiten haben, möglicherweise doch einen britischen Impfstoff zu importieren. Den deutschen haben wir ja nun schon gekauft. Das wird gar nicht so einfach zu erklären sein.

      • > Was bei mir aus dem Coronavirus-Update mit Drosten und Ciesek hängen geblieben ist, dass der Biontech Impfstoff und andere RNA-Impfstoffe vermutlich nur gegen die Erkrankung schützen, nicht aber gegen die Infektion selbst.

        Habe die betreffende Stelle nicht im Ohr, aber ich denke das nicht. Die Phase III lief bei beiden mRNA-Impfstoffen so ab, dass die Probanden nicht regelmässig getestet wurden. Von daher wurde zwangsläufig keine asymptomatischen Fälle untersucht. Mit anderen Worten: die Testphase belegt das nicht, aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Und da der Impfstoff letztlich nichts anderes macht, als das Immunsystem auf den Virus anzusetzen und keine konkreten medizinischen Effekte hat, die aktiv gegen die Auswirkungen der Krankheit gehen (da gibt es ja auch noch wenig Erkenntnisse, wie das laufen könnte), ist es schon eher wahrscheinlich, dass der Impfstoff sehr wohl eine Infektion überhaupt verhindert und damit auch Ansteckungen.

        • Da Personen mit Covid und mRNA Impfung krank sind, koennten Sie eine gewisse Zeit auch infektiös sein. Biontech hat das nicht ausgeschlossen. Drosten hat das erwaehnt.

          Vermutlich dann eine Dosis-Virenlast-Frage und wie lange die Antikoerper/T-Zellen dann brauchen , die Oberhand zu gewinnen?

          Zeiten bzgl. Inkubationen veraendern sich zum Positiven. Zu Null? Antwort ausstehend.

          Wenn dem so ist, ist der Adenovirenimpfstoff eine wirkliche Option.

          Egoistisch betrachtet werde ich den Curevac mRNA nehmen wegen der 12 ml als Randbemerkung.

          Sozial betrachtet sollte ich den von AstraZeneca wohl nehmen.

          Bin gespannt wer diese Frage inhaltlich beantworten kann im naechsten Potcast.

          Diesen fand ich als einen der Besten. Gratulation.

        • Wenn ich einen Heliumballon einatme, atme ich auch wieder Helium aus. Das gleiche auch mit Viren – Bin ich nun ansteckend, weil ich sie vielleicht transportiere?

          Ansteckend bin ich doch nur, wenn ich selber im hohen Maße Viren produziere, und das wird denke ich nicht mehr der Fall sein, wenn man Antikörper hat. Natürlich wird es wahrscheinlich einige Zeit dauern, aber daß die Antikörperproduktion plötzlich tagelang dauert, ist doch eher unwahrscheinlich? Ich denke, hier kommt die sehr große Inkubationszeit (~5), und ab wann man dann ansteckend ist (Symptom -2), doch helfend dazu. Ja, man wird es nicht 100% ausschließen können….

          Aber ich hab natürlich keine Ahnung…

    • Hallo, ich hörte (bin aber total unqualifiziert, Eisenbahner) dass die Impfung zwar deine eigene Erkrankung verhindert, jedoch ist man ggfs. doch eine zeitlang infektiös? Keine Bange, ich nehme die Impfung, wie jede andere auch, sobald ich sie bekommen kann. Beim Schreiben merke ich aber selber, dass dies wohl für alle anderen Impfungen gilt und diese trotzdem sinnvoll sind 🙂

  3. Könnt ihr zu dem komplex “Corona schon 2019 ausserhalb Chinas gefunden” nochmal nachkämmen? Die verlinkten Euronews und Telegraph artikel sind beide schon vom Juli, das internet hat eine reihe von weiteren echo-artikeln in den folge tagen dieser beiden artikel die sich auch nur auf das Telegraph interview beziehen und die damals noch nicht peer-reviewte studie in zweifel ziehen. Ich finde keine orginalstudie von Dr. Tom Jeffesson die mittlerweile veröffentlicht sein müsste zu genau diesem thema und keine späteren artikel in der presse als Juli. Im Podcast kam das ganze so rüber als wäre das a) jünger und b) wissenschaftlich belastbarer. Ich wär da lieber vorsichtiger ohne weitere belege.

    • Was mich an der Abwassersache stört ist diesmal tatsächlich mit der evtl. möglichen Kreuzreaktivität des PCR-Tests begründbar. Drosten sagte selbst einmal, dass theor. eine Reaktion auf andere (tierische) Coronaviren z.B. Fledermaus-CoV möglich ist. Bei unseren Testzahlen ist ja sichergestellt, dass die Proben von Menschen stammen, weshalb das dabei keine Rolle spielt.

      Man weiß aber ja überhaupt nicht so genau, was da alles ins Abwasser geht. Tim sagt ja selbst, dass die Kanalisationen die modernen Fledermaushöhlen sind. Wenn die also massenhaft ihre Ausscheidungen dort hinterlassen, ist das wahrscheinlich die Ursache, dass zwar der PCR-Test, den die Studienautoren in Barcelona verwendeten, ein positives Ergebnis anzeigt, dieses aber tatsächlich ein falsch positives ist. [1, 2] Ob es nun genau der von Drosten entwickelte und beschriebene PCR-Test ist, kann ich nicht beurteilen, aber es wurde definitiv ein PCR-Verfahren angewendet. Es war auch nur eine einzige Abwasserprobe postiiv, was u.U. auf einen schlichten Verfahrensfehler hinweist, z.B. Probe kontaminiert.

      Zu der anderen Geschichte mit den Antikörpern: so eindeutig ist die eben nicht. Fr. Prof. Ciesek hatte direkt den Einwand, dass bei den getesteten Antikörpern die Spezifität überhaupt nicht geklärt ist. [3]

      Mir scheint, hier werden zumindest zwei Studien mit systematischen Fehlern zitiert. Um so schlimmer, wenn den Autoren der Metastudie, in der diese wohl eingeflossen sind, das nicht auffällt. Obacht bei Metastudien, sagt auch ein gewisser Frank Rieger. 😉

      [1] https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.06.13.20129627v1
      [2] https://de.euronews.com/2020/06/29/experten-reagieren-auf-coronavirus-fund-vom-marz-2019
      [2] https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript244.pdf

      • Das ist übrigens wohl auch das Paper auf das sich Dr. Jefferson bezieht. Die Kommentare zum Paper auf medrxiv.org sind auch interessant. Dort herrscht eher die Meinung vor, dass die Ergebnisse nahelegen, dass der eine Fund in Barcelona im März beim Test kontaminiert wurde.

        Ich bin ähnlich wie Stefan skeptisch und frage mich auch, wo Tim sein “eindeutig nachgewiesen” hergezogen hat. Für mich ist das alles eher noch äußerst fraglich. Aber vielleicht gibt es neue Erkenntnisse, die ich noch nicht kenne.

    • Da bin ich auch drüber gestolpert. Sandra Ciesek hat das im NDR Podcast letzte Woche ziemlich deutlich angezweifelt:

      https://www.ndr.de/nachrichten/info/65-Die-Loecher-im-Kaese,audio781160.html

      Korinna Hennig
      Das Stichwort Antikörper bringt uns auf eine Schlag-
      zeile, die gerade für Aufmerksamkeit gesorgt hat, in
      ganz anderer Hinsicht. Offenbar haben Krebsforscher
      Daten aus einem Lungenkrebs-Screening in Italien
      nachträglich serologisch untersucht und Antikörper
      gegen das Coronavirus gefunden. Die Daten stammen
      teilweise noch aus dem vergangenen Herbst 2019. Die
      Forscher schließen daraus nun, das Virus war in Italien
      schon viel früher unterwegs, lange bevor es in China
      entdeckt wurde. Ist das plausibel für Sie?

      Sandra Ciesek
      Nein. Da ist wieder so das Problem, was wir im Moment
      häufiger haben. Da gibt es starke und provokante
      Behauptung von einzelnen Forschergruppen oder
      einzelnen Manuskripten mit schwachen Belegen und
      die wurden nicht geprüft. Sie werden aber weil sie
      reißerisch klingen, in den Medien geteilt. Schaut man
      sich die Studie kurz an: Die sagen, dass im September
      2019 schon 14 Prozent ihrer Patienten, die sie da
      untersucht haben, Antikörper gehabt hätten. Und das
      würde ja bedeuten – wenn man überlegt, wie lange
      dauert es bis man Antikörper bekommt? – dass schon
      spätestens Anfang September viele Erkrankungsfälle
      hätten beobachtet werden können. Ich bezweifele,
      dass man die übersehen hätte. Auch sind die Metho-
      den im Paper, wenn man sich das anschaut, wenig
      beschrieben. Es gibt zum Beispiel keine klaren
      Negativ- und Positivkontrollen.

      Sie brauchen immer eine gute Kontrolle, um zu
      beweisen, dass das, was Sie messen, auch wirklich
      das Richtige ist. Es kann hier sein, dass die einfach
      kreuzreagierende Antikörper mit anderen Coronaviren
      gemessen haben, die in bestimmten Abschnitten in
      diesem Spike-Protein ähnlich sein können. Und laut
      denen müssten wir schon wahrscheinlich im August in
      Italien eine weite Verbreitung gehabt haben. Eigentlich
      zeigen die wissenschaftlichen Daten, dass das SARS-
      CoV-2 im November in China erstmals auftrat. Das
      kann man auch von Genomsequenzen gut nachweisen,
      also von der Erbsubstanz, wenn man die sich anschaut.
      Von dort hat es sich weltweit verbreitet und kam
      dann nach Italien wahrscheinlich im November oder
      Dezember. Das passt nicht so richtig. Es gab Abwasser­
      untersuchungen, die zeigten, dass im Dezember in
      Italien bereits das Virus zirkulierte. Und das ist auch
      glaubhaft. Manche erinnern sich vielleicht noch an
      eine weitere Schlagzeile, dass es Berichte aus Spanien
      gab, im Abwasser sei es schon früher zirkuliert, im
      Sommer. Aber diese Arbeiten waren ohne Kontrollen
      der Methoden und wahrscheinlich einfach methodisch
      nicht sauber. Dieser Studie würde ich nicht viel Be-
      deutung zumessen. Neben dem inhaltlichen und den
      methodischen Schwächen muss man sich das Journal
      angucken. Ein Autor oder einer der Autoren ist Editor
      vom Journal. Da muss man schon sehr vorsichtig sein,
      dass man diese Studie nicht einfach so hinnimmt oder
      glaubt.

    • Irgendwie scheint mein Kommentar missverstanden worden zu sein. Deshalb vorab: Ich möchte keineswegs, die Debatte um Falsch-Positive beim PCR-Test anheizen. Im Gegenteil: bei Proben von Menschen ist es vollkommen logisch, dass dort alle Kreuzreaktionen ausgeschlossen sind. Ich habe die entsprechende Validierungsstudie und Drostens Bemerkungen dazu gelesen.

      Genau deshalb zweifle ich aber an den Ergebnissen mit den Abwässern, weil da ein wichtiger Faktor für die hohe Spezifität fehlt: die Sicherheit, dass da keine tierischen Ausscheidungen im Abwasser sind. Es ist ja viel wahrscheinlicher, dass gerade Fledermäuse sich in der Kanalisation aufhalten; wie Tim selbst sagt: moderne Fledermaushöhlen. Und genau das hat Herr Drosten selbst eingeräumt, dass sein PCR-Test theoretisch kreuzreagieren könnte mit Fledermaus-CoV. Das ist für unsere Testungen von Menschen ja auch kein Problem: das sind ja keine Fledermäuse, und wir streichen auch keine Fledermäuse ab. Aber gerade bei den Abwässern ist, wie gesagt gar nicht klar, was da alles woher kommt.

      • Und die Fledermaus saß da nur im März 2019?

        Ja, vielleicht ist es unspezifisch, trotzdem sollte doch genau das nicht bei einem PCR-Test passieren können, weil die entsprechende Gen-Signatur gesucht und verstärkt wird?

        Auch bei “Verunreinigung” bin ich skeptisch… 😉

        • “vielleicht ist es unspezifisch, trotzdem sollte doch genau das nicht bei einem PCR-Test passieren können, weil die entsprechende Gen-Signatur gesucht”

          Eben nicht spezifisch genug, wenn die Nebenbedingungen nicht erfüllt sind. Eine davon ist, dass die Probe direkt vom Menschen kommen muss.

          Verunreinigung halte ich sogar für wahrscheinlicher, denn in Barcelona war das nur eine einzige Probe, als ob innerhalb eines Tages dann alle Quellen für das Virus verschwinden könnten. Normalerweise sollte bei Wissenschaftlern da eigentlich die Plausibilitätsglocke läuten. Hier war aber offensichtlich “Publish or Perish” mal wieder zu wörtlich genommen worden.

  4. Zum “Verpackungsproblem” bei AstraZeneca: Dem hat der Prof. Adrian Hill, Leiter der Studie, wohl widersprochen: Es sei einfach nicht genug Impfstoff zur Verfügung gestanden. Eine Lieferung von AstraZeneca sei unbrauchbar gewesen. Sie hätten wohl genau gewusst, dass es zwei unterschiedliche Dosierungen seien und hätten daher notgedrungen mit halber Dosis gestartet und es bewusst mit voller Dosis verglichen. Hier der Ausschnitt aus der Stellungnahme:

    https://twitter.com/MikeDeeeeeee/status/1332228683076145152

  5. Mir sind diese Meldeverzögerungen ein Rätsel.
    Ich würde wie bei Wahlen auch erwarten dass digital alle Daten sofort die Meldekette entlang nach oben weiter gereicht werden.
    Wenn also ein Gesundheitsamt einen Fall aufnimmt, ist auf Landkreis, Bundesland, und Deutschland Ebene und beim RKI sofort +1 in der Datenbank.
    Das geht auch mit nem Akkustikkoppler.

    Kranke Nachverfolgen geht gar nich.
    Ist das nicht ein Job der wunderbar von daheim gemacht werden kann wenn man scheinbar eh nur telefoniert?

  6. Hallo!

    Zu den Weihnachtsferien kann ich für Erhellung und Facepalm sorgen. Die Anzahl der Ferientage ist deutschlandweit festgelegt, und weil die sonst nicht reichen, machen wir halt den 21.12. und in Bayern sogar den 22.12. mit.

    Die Ferientage nachzuholen ist natürlich logisch, aber die Sommerferien sind der Anker des Schuljahres und werden genutzt größere Mengen Organisation zu fahren. Dazu hilft das der Schülergruppe, die hier der Politik überhaupt wichtig ist nicht: den Absolvent*innen von Abschlussprüfungen. Die sind nämlich vor dem Sommer weg.

    An meiner Schule kommen wir mit regelmäßiger Quarantäne in den Klassen, den zwei Ferientagen und einer hübsch unflexiblen Schulordnung absolut in die Klemme.

  7. Einen habe ich noch für das Thema Ausbrüche in Fleischbetrieben:
    https://www.youtube.com/watch?v=1E26ePq7iBY

    Klimaanlagen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

    Was ist dazu selbst noch an Gedanken habe: Ich habe das Papier zu dieser Studie bisher nicht finden können. Im Interview der Autoren bleibt das Sozialverhalten der Infizierten fast ganz unberücksichtigt. Eine ganz triviale Erklärung wäre auch: wer rel. dicht beieinander arbeitet, macht wahrscheinlich auch zusammen Pause. Also muss das gar nicht die Klimaanlage und deren Strömungseigenschaften gewesen sein. Just my two cents.

    • Ich Blindfisch hätte halt mal die Beschreibung des Videos aufklappen sollen:
      https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3654517

      Also, sie haben sich oberflächlich schon damit befasst, ob außerhalb des Werks das Infektionsgeschehen abgelaufen sein könnte. Aber das Naheliegendste sehe ich nicht betrachtet: die Pausensituation.
      Die Betrachtung der Klimaanlagen finde ich dennoch nicht falsch, besonders mit Blick auf das Thema Luftfilteranlagen in Schulen. Da wird ja auch ein horizontaler Luftfluss erzwungen. Wenn man da mal nicht den Teufel mit dem Beelzebub austreibt.

  8. Hallo Tim und Pavel,

    erstmal danke für euren tollen und informativen Analysen.

    Tim – du sagst so vollmundig “Erstmal alle Ärzte und Pfleger durchimpfen …” Eine Bekannte arbeitet auf einer Covid Intensivstation. Sie sagt, dass sich dort ca 80% nicht gleich impfen lassen wollen … Tja, was willste da sagen … machen …?!?!

  9. Thema Böller-Verbot an Silvester:

    Man hört immer wieder die Geschichte von den Handverletzungen durch Feuerwerk, wie auch von Tim vorgetragen.

    Als langjähriger Mitarbeiter im Rettungsdienst kann aus Erfahrung sagen, dass so etwas sehr selten im Verhältnis zur Gesamtzahl der Einsätze vorkommt. Die größte Belastung des Rettungsdiensts und damit auch der Krankenhäuser ist in den letzten Jahren der Alkohol gewesen. Über 90% unserer Einsätze waren hilflose Personen wegen Alkoholkonsum (Volltrunkene) Etwa 9% waren chirurgische Verletzungen im Zusammenhang mit Alkohol (Kopfplatzwunden, Verletzte Arme/Beine nach Sturz oder Verletzte durch Schlägereien). Das letzte 1% waren die „normalen“ nicht Silvester induzierten internistischen Einsätze (Herzinfarkte Hirnschläge) und Handverletzungen durch Feuerwerk. Das Einsatzspektrum ist damit sehr ähnlich dem Karneval hier im Rheinland.
    Als Größenordnung: in einer normalen Nacht (0 bis 7 Uhr) werden bei uns im Schnitt 2 Einsätze gefahren und an Silvester 15. (Vorstadt Einsatzgebiet mit ca. 60.000 Einwohnern ohne Partymile und Discos)

    Offizielle Zahlen konnte ich leider nicht finden, aber auch die Kollegen aus anderen Rettungsdienstgebieten in der Umgebung berichten von ähnlichen Bedingungen an Silvester.

    Daher kann man IMO gerne das Böllern verbieten, aber auf jeden Fall sollten auch private Parties sehr stark eingeschränkt werden.

    • Danke für diese Einsicht.
      Ich meine, es hat immer ein Gerüchle, wenn Leute, die schon seit Jahrzehnten ein Süpplein köcheln (Böllern verbieten) auf so einen aktuellen Zug aufspringen wollen. Es riecht nach Instrumentalisierung.
      Es macht sehr misstrauisch gegenüber der Politik.
      Bei den Pop-up-Radwegen, darf ich als Radfahrer sagen, war mir das auch schon unangenehm.
      Böller ist nicht meine Herzensangelegenheit, aber wenn die Leute 1-2h an der frischen Luft sind, statt im Partydunst, könnte das summarisch einen positiven Effekt haben.

  10. Meine Kinder sind in der 1. und 3. Klasse. Die haben das mit den Masken verstanden und sitzen (als einzige) mit Maske in der Klasse. Haben much aber auch schon gefragt, warum die anderen das nicht verstehen. Und dass sie es unfair finden, andere zu schützen, die selbst einen Scheiß drauf geben.

  11. Was Ich spannend finde sind die Bundesländer Thüringen und Sachsen.
    Bei beiden steigt die Inzidenz an.
    Warum ist das so?
    Ist das nur daran geschuldet dass deren 2. Welle später gestartet ist?
    Oder greifen bei denen die Maßnahmen noch schlechter als im Rest der Republik?

  12. Zum Thema: “Exclusive: Covid-19 may not have originated in China, Oxford University expert believes”:

    Soweit ich weiß ist das schlicht und ergreifend Fake News. Das Thema wird ab und zu im “This Week in Virology”-Podcast besprochen und bisher hat keiner von den Forscherteams die angeblich Spuren des Erbguts vor November letzten Jahres gefunden haben überzeugende Evidenz geliefert. Drosten hat das auch schon debunked in seinem Podcast.

    Bisher steht fest dass alle sequenzierten Genome des Virus (viele tausende) von dem Wuhan-Stamm abstammen. https://nextstrain.org/ncov/global hat da eine super Visualisierung der open-source Sequenzen des Virus.

    Wenn man beweisen wollte dass das Virus schon früher 2019 in Europa zu finden war, müsste man das sequenzieren und zeigen dass andere Virussequenzen in Europa daraus entstanden sind. Kein Team was behauptet solch ein frühes Virus gefunden zu haben hat probiert es zu sequenzieren, obwohl das nicht schwer ist.

    Es wäre gut wenn ihr das mal recherchieren und klarstellen würdet in der nächsten Sendung, weil solche Falschmeldungen viele Leute in die unsägliche Verschwörungsecke treiben….

  13. Ich verstehe ja, dass die Änderung der Teststrategie des RKI blöd ist, wenn man Zahlen vergleichen will. Dass es hinterher aber “schlimmer” ist und die Dunkelziffer höher ist, kann sein, muss aber nicht: Man hat ja nicht irgendwie die Tests reduziert (jeder, der getestet werden will, muss einen Würfel werfen, wer eine 6 hat, bekommt keinen Test), sondern die Leute ohne Symptome sollen weniger getestet werden. Ich würde aber mal davon ausgehen, dass die Positivere unter denen mit Symptomen deutlich höher ist als bei den Symptomlosen. Daher könnte es auch sein, dass man durch das Wegschicken der Symptomlosen nicht allzu viele Positivtests verpasset, die Rate zwar steigt, aber nicht viel mit der Dunkelzimmer zu tun hat. Kurz gesagt, die Auswahl der zu Testenden im Vergleich zu vorher hat einen bias, daher sind Aussagen schwierig (ausser man hat vorher schon die Positivrate derer mit Symptomen erfasst und vergleich diese mit der neuen Rate).

  14. Hier mein kleiner Erfahrungsbericht zur Corona-App:
    Montag zum Test – hätte ich nicht vorab gesagt, dass ich ggfs. positives Ergebnis über App melden möchte, wäre das standardmäßig gar nicht darüber gelaufen, per Default wird ohne gearbeitet. Sagt man es nach dem Abstrichvorgang kann kein QR mehr generiert werden.
    Heute – Freitag – immer noch kein Ergebnis auf der App. Anruf beim Doc: Ergebnis liegt seid Dienstag vor: negativ. NIE MEHR lasse ich das über die App laufen. Das Teil ist sowas von kaputt. Bisher war ich echt für die App und habe andere versucht vom Sinn zu überzeugen – inzwischen bin ich davon abgekommen. Was will man bei dieser Staatsverwaltung erwarten. Hoffentlich kommt beim Fanta4-Project Luca mehr raus.

  15. Ich habe gecheckt, und es scheint der Fall zu sein, dass Virus auf lateinisch ein Neutrum-Substantiv aus der zweiten Deklination ist (als Ausnahme, denn es mit -us endet). Ich vermute, dass der offensichtlich sehr gut ausgebildete Herr Drosten auf diesem Grund von das Virus d a s Virus nennt. Ich dachte ihr werdet das vielleicht gerne Wissen, fall ihr es noch nicht schon weißt.

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